Spät da, früh fort
Warum Thies Schweer beim Zweitligafinale in Landshut in zeitliche Verdrückung kam.
Es ist kurz vor knapp, als sich das Fahrerlagertor an der Ellermühle plötzlich wieder öffnet und einen einzelnen Fahrer zum Training auf die Bahn ausspuckt: Thies Schweer, den 500R-Fahrer der Cloppenburg Fighters beim Finale der Zweiten Bundesliga.
Schweer ist wohl der Fahrer mit der weitesten Anreise: aus Friesland nach Niederbayern. Die Fahrt sei vorab wohl kalkuliert und vorbereitet worden, beteuert Vater Ulli nach der Rückkehr in Zetel. Das Navi hätte achteinhalb Stunden Fahrtzeit avisiert. „Wir sind morgens auch rechtzeitig losgekommen – und dann vom Navi direkt in eine Vollsperrung geschickt worden.“ Die A2 zwischen Peine und Braunschweig war – wie so oft auf dieser einstigen Transitstrecke – wieder dicht. „Aus den achteinhalb Stunden sind dann ein bisschen über 12 geworden. Das war so eng, dass wir zwischen den Junioren A und B Thies’ Pflichttraining nachfahren durften. Wir haben im Fahrerlager quer geparkt, alle Mann haben mit angepackt; wir haben schnell die Abnahme machen können, weil der Abnahmekommissar schon wartete. Thies hatte schon seine Klamotten an.“

So konnte der Blondschopf sich sofort auf die Bahn schwingen. Doch das Training schickte ihn auf die falsche Fährte. Auf der welligen Bahn, auf der sich die Maschinen an den Kurveneingängen immer wieder aufrichteten, kämpfte das Familienteam Schweer mit der Abstimmung. „Wir sind mit einem falschen Setup gestartet. Im Training sah es noch gut aus. Man hat da aber nicht den Vergleich zu den anderen. Im Rennen waren wir völlig unterlegen“, gesteht Ulli Schweer. „Wir haben während der Läufe ständig das Setup verändert. Aber wir konnten den Motor nicht zum Drehen bekommen – wegen der Reduzierung. Denn wir sind ja fast ausschließlich 500-offen gefahren.“ Und mit der Anpassung an die Buchse für die gedrosselte Klasse hätte man sich schwer getan.
In einem Lauf probierte Schweer es sogar mit dem Reservemotorrad. Doch als dieser Lauf abgebrochen wurde, wechselte er vorm Neustart wieder zurück auf das eigentliche Einsatzmotorrad mit dem charakteristischen roten vorderen Schutzblech.
So kam es zu wenig repräsentativen Ausbeute von sechs Laufpunkten. Drei weniger als Levi Böhme vom MSC Olching. Und das gerade auf der so wichtigen 500R-Planstelle, die maßgeblich über das Ergebnis und die Tabelle in der Zweiten Liga entscheidet. Deswegen ging Schweer nachher durchaus selbstkritisch mit sich ins Gericht – aber auch schnell wieder nach Hause.
Denn der Transporter aus Friesland war der letzte, der in Landshut ankam – und der erste, der wieder abfuhr: Thies Schweer musste am nächsten Morgen in der Früh’ zum Erstehilfekurs für seinen Führerschein im hohen Norden.



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