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Chancenlos und dennoch entscheidend?

Beim zweiten Halbfinale der Mannschafts-WM hat nur ein Land keine Chance. Und ausgerechnet dessen Topfahrer dürfte Zünglein an der Waage werden.


Die Mannschafts-WM gilt als der traditionsreichste Mannschaftswettbewerb des Bahnsports. Sie kehrt 2026 erstmals seit Breslau 2023 zurück. Das Turnier findet künftig im Dreijahresrhythmus statt und wechselt sich mit der Paar-WM namens „Speedway der Nationen“ ab, die in den beiden Zwischenjahren ausgetragen wird. Die nächste Speedway-Mannschafts-WM ist daher erst wieder für 2029 vorgesehen.


Eine wesentliche Neuerung des Jahres 2026 ist die Austragung des Wettbewerbs in drei verschiedenen Ländern. Die Rennen finden in Deutschland, Lettland und Polen statt. Dadurch verfügt erstmals jedes Event über eine Heimmannschaft. Titelverteidiger und Gastgeber Polen sowie der Paarweltmeister von 2025, Australien, sind bereits direkt für das Finale am 29. August im Warschauer Nationalstadion qualifiziert. Großbritannien sicherte sich mit dem Sieg im ersten Halbfinale in Landshut das dritte Finalticket. Das vierte und letzte Endrundenticket wird nun im lettischen Riga vergeben.


Austragungsort ist der Speedwaystadion innerhalb des Bikernieki Sports Komplex, das seit 2023 regelmäßig WM-Läufe beherbergt. Die traditionsreiche Anlage wurde ursprünglich 1976 errichtet, später umfassend modernisiert und für ihr 50-jähriges Bestehen erneut grundlegend umgebaut. Der Belag wurde erneuert, die Kurven verbreitert, und sowohl die Kurven als auch die Geraden erhielten zusätzliche Überhöhungen.


Nach erfolgreichen Testfahrten der lettischen Nationalmannschaft gilt die Bahn als deutlich verbessert. Seit 2024 verfügt das Stadion außerdem über eine Flutlichtanlage, sodass beide Veranstaltungen am Wochenende um 19 Uhr Ortszeit beginnen können.


Im Halbfinale treten Dänemark, Gastgeber Lettland, Schweden und Norwegen gegeneinander an. Jede Nation nominiert fünf Fahrer. Vier starten regulär, der fünfte fungiert als Ersatzfahrer und kann jederzeit eingewechselt werden. Liegt eine Mannschaft um mindestens sechs Punkte hinter der Spitze zurück, kann dieser Fahrer zusätzlich als taktischer Joker eingesetzt werden und auf bis zu sechs Renneinsätze kommen. Während manche Teamchefs ihre stärksten Fahrer bewusst auf dieser Position einsetzen, um flexibel reagieren zu können, bevorzugen andere einen festen Rennrhythmus ihrer vier Stammfahrer. In Riga setzt lediglich Schweden in Kim Nilsson einen absoluten Leistungsträger als Ersatzfahrer ein.


Wird ausgerechnet Mathias Pollestad zum entscheidenden Mann von Riga? Foto: FIM
Wird ausgerechnet Mathias Pollestad zum entscheidenden Mann von Riga? Foto: FIM

Als Favorit gilt Dänemark. Das Team verfügt in Michael Jepsen Jensen, Leon Madsen, Anders Thomsen und Mikkel Michelsen über vier Grand Prix-Sieger. Jepsen Jensen erlebt nach Jahren außerhalb der Weltspitze ein beeindruckendes Comeback und zählt inzwischen wieder zu den stärksten Fahrern der Welt. Leon Madsen gewann in dieser Saison bereits den Grand Prix von Prag, Anders Thomsen feierte zuletzt in Schweden seinen zweiten Grand Prix-Erfolg. Mikkel Michelsen verpasste zwar den Verbleib in der Grand Prix-Serie, bringt als dreifacher Europameister und Sieger des Deutschland-Grands Prix 2024 in Landshut jedoch enorme Qualität mit. Komplettiert wird das Team durch Frederik Jakobsen, der gute Chancen besitzt, 2027 dauerhaft in die WM aufzusteigen. Teammanager Nicki Pedersen gehörte als Fahrer allen vier dänischen Speedway-World Cup-Titeln der Moderne an.


Gastgeber Lettland setzt vor allem auf seinen Star Andzejs Lebedevs. Der zweimalige Europameister belegte in der Weltmeisterschaft 2025 Rang 6 und gilt inzwischen als einer der bekanntesten Sportler des Landes. Mit ihm standen die Letten in den vergangenen vier Paar-WM-Auflagen drei Mal im Finale. Unterstützt wird Lebedevs von Francis Gusts, Daniils Kolodinskis, Jevgenijs Kostigovs und Olegs Mihailovs, die allesamt bereits internationale Erfahrung gesammelt haben. Gusts stammt als einziger Fahrer aus Riga und wurde auf der Bikernieki-Bahn ausgebildet. Mit der Unterstützung des heimischen Publikums hoffen die Gastgeber, dem Favoriten Dänemark ernsthaft Paroli bieten zu können.


Schwedens Hoffnungen ruhen auf der Rückkehr von Fredrik Lindgren. Der langjährige Nationalheld kehrt nach einem Sprunggelenksbruch erstmals seit mehreren Monaten in den internationalen Wettbewerb zurück. Lindgren gehörte bereits zur schwedischen Weltmeistermannschaft von 2015 und gewann darüber hinaus mehrere Medaillen bei Weltmeisterschaften. An seiner Seite fährt der frisch gekürte schwedische Meister Kim Nilsson, der sich mit starken Leistungen bereits für die Einzel-WM 2027 qualifiziert hat. Komplettiert wird das Team von Jacob Thorssell, Oliver Berntzon und Timo Lahti, der als Finne erstmals für Schweden bei der Team-WM startet.


Für Norwegen ist bereits die Teilnahme historisch. Erstmals überhaupt hat sich das Land für ein SWC-Halbfinale der modernen Prägung qualifiziert. Größte Hoffnung ist Mathias Pollestad, der 2024 Bronze bei der U21-Weltmeisterschaft gewann und inzwischen in den höchsten Profiligen Polens, Schwedens und Dänemarks fährt. Auch wenn Norwegen nicht als Favorit gilt, könnte das Team mit seinen Punkten entscheidend Einfluss auf den Ausgang des Halbfinales nehmen. Neben Pollestad – den man mit einem stimmlosen „d“ am Ende ausspricht – verfügen auch Lasse Fredriksen, Glenn Moi und Mannschaftskapitän Truls Kamhaug über Erfahrung aus internationalen Profiligen. Die Teilnahme soll zugleich neue Impulse für den Speedwaysport in Norwegen setzen.


Magnus Klipper, der Sohn von Teammanager Kenneth Klipper Smith, ist der einzige Norweger, der in keiner internationalen Profiliga fährt. Lasse Fresiksen fährt für Berwick in England, Glenn Mai für Ornana und Truls Kamhaug für Solkatterna in der jeweils Zweiten Schwedischen Liga. Und obschon Norwegen keine Chance auf den Finaleinzug hat, kann ihr Aushängeschild Pollestad dennoch zum Zünglein an der Waage werden: Geht es in dieser Todesgruppe Spitz auf Knopf zwischen Dänemark und Schweden oder gar noch mit Lettland als drittem Finalanwärter – dann kann entscheidend sein, wie viele Punkte Pollestad schreibt. Also wie viel Schadensbegrenzung er aus Sicht der Norweger betreiben kann – oder wie viele Punkte die jeweils andere Nation umgekehrt den Wikingern abknöpfen kann.


Das Training in Riga beginnt am Freitag um 14 Uhr Ortszeit, der Start des zweiten Speedway-WM-Halbfinales erfolgt um 19 Uhr. Es gibt eine Stunde Zeitverschiebung zu Deutschland. Das Rennen wird im Stream auf Dicovery+ und HBO Max übertragen, aber ohne deutschen Kommentar.

 
 
 

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