Von der Enttäuschung zum Volkshelden?
- Norbert Ockenga
- vor 23 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Bislang lief für Andžejs Lebedevs in der WM nichts zusammen. Kann er ausgerechnet beim doppelten Heimspiel das Ruder rumreißen?
Für Andžejs Lebedevs könnte das kommende Wochenende in Riga kaum bedeutender sein. Der zweimalige Europameister führt die lettische Nationalmannschaft am Freitag im Halbfinale der Mannschafts-WM an, bevor er einen Tag später beim Grand Prix von Lettland erneut vor heimischem Publikum an den Start geht.
Für den 31-Jährigen ist der Auftritt auf der traditionsreichen Bikernieki-Bahn weit mehr als nur ein Heimrennen. „Vor den eigenen Fans zu fahren, ist etwas ganz Besonderes“, sagt Lebedevs. „Wenn Familie, Freunde und ein volles Stadion hinter dir stehen, ist das ein unglaubliches Gefühl.“ Der Lette weiß jedoch auch, dass die Unterstützung des Publikums mit einer besonderen Verantwortung einhergeht. Während ihn der Druck in jungen Jahren noch belastete, habe sich das inzwischen geändert. „Heute ist es positiver Druck. Mit meiner Erfahrung gibt mir die Atmosphäre zusätzliche Energie.“
Im zweiten Halbfinale der Mannschafts-WM trifft Gastgeber Lettland am Freitag auf die mehrfachen Titelträger Dänemark und Schweden sowie WM-Debütant Norwegen. Nur der Sieger löst das letzte Ticket für das Finale am 29. August in Warschau, wo Gastgeber Polen sowie Australien und Großbritannien bereits auf ihren Gegner warten.
Angeführt wird das lettische Team von Kapitän Lebedevs. Gemeinsam mit Daniils Kolodinskis, Jevgenijs Kostigovs, Francis Gusts und Olegs Mihailovs bildet er die wohl stärkste lettische Nationalmannschaft seit vielen Jahren.
Ich möchte sagen können, dass ich alles gegeben habe. – Andžejs Lebedevs
Besonders Kolodinskis wird dabei eine Doppelrolle einnehmen: Am Freitag kämpft er noch Seite an Seite mit Lebedevs für Lettland, ehe beide am Samstag beim Speedway Grand Prix als Konkurrenten aufeinandertreffen. „Ich hoffe, dass bei uns am Freitag alles zusammenpasst und die Sterne auf unserer Seite sind“, sagt Lebedevs. „Unsere Fans können wie ein sechster Fahrer sein und uns den entscheidenden Schub geben.“
Die Aufgabe wird allerdings alles andere als einfach. Dänemark reist mit einer hochkarätigen Mannschaft nach Riga. Mit Michael Jepsen Jensen, Leon Madsen, Anders Thomsen und Mikkel Michelsen stehen gleich vier Grand-Prix-Sieger im Aufgebot. Komplettiert wird das Team durch den dänischen Vizemeister Frederik Jakobsen.
Auch Schweden zählt zu den Favoriten. Angeführt wird die Mannschaft von Weltranglisten-Viertem Fredrik Lindgren, der nach überstandener Knöchelverletzung erstmals seit Mai wieder ein FIM-Rennen bestreitet. Neben Lindgren gehören Kim Nilsson, Timo Lahti, Jacob Thorssell und Oliver Berntzon zum schlagkräftigen Aufgebot.

Norwegen setzt vor allem auf den ehemaligen SGP2-Bronzemedaillengewinner Mathias Pollestad, der gemeinsam mit Truls Kamhaug, Glenn Moi, Lasse Fredriksen und Magnus Klipper für eine Überraschung sorgen möchte.
Am Samstag richtet sich der Fokus dann auf den Grand Prix von Lettland. Dort trifft Lebedevs auf die Weltelite und trägt erneut die Hoffnungen der heimischen Fans. Aktuell liegt der Daugavpilser mit 49 WM-Punkten auf Rang 12 der Gesamtwertung – und ist damit neben Nasar Parnitski und Aushilsfahrer Kai Huckenbeck die größte Enttäuschung der laufenden Saison.
Obwohl ihm derzeit noch etliche Zähler auf die direkten Qualifikationsplätze für die Grand-Prix-Serie 2027 fehlen, stehen seine Chancen auf eine erneute Teilnahme gut. Beim Challenge Ende Juli belegte Lebedevs Rang 5. Sollte Challenge-Sieger Robert Lambert seine Top 7-Platzierung in der laufenden WM bestätigen, wovon schwer auszugehen ist, so würde dessen Qualifikationsplatz an den Letten weitergegeben.
Mit seinem bisherigen Saisonverlauf ist Lebedevs dennoch nicht zufrieden. Nachdem er die Weltmeisterschaft 2025 auf Rang 6 beendet hatte, hatte er sich für dieses Jahr mehr vorgenommen. „Im Grand Prix geht es vor allem um Konstanz – und genau die hat mir in dieser Saison gefehlt“, moniert er. „Vergangenes Jahr war ich deutlich beständiger. Trotzdem schaue ich nach vorne. Ich habe weiterhin Freude am Speedway, arbeite hart an mir und möchte mich weiter verbessern. Wenn ich irgendwann meine Karriere beende, möchte ich sagen können, dass ich alles gegeben habe.“



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