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Gespannte Gespanne

Beim Seitenwagenrennen in Melsungen hätte es fast richtig übel gescheppert.


Der Schreck fährt allen in die Glieder. Den Fahrern und Beifahrern ebenso wie den Zuschauern an der neuralgischen Stelle in Melsungen. Mitch Godden/Paul Smith liegen im Feld der Internationalen Seitenwagenkonkurrenz beim offenen Grasbahnrennen in Nordhessen scheinbar auf Siegkurs.


Dann geht ihnen urplötzlich jeglicher Vortrieb flöten. „Wir alle, die wir an der Stelle standen,“ schaudert es Melsungens Klubvorstand Mario Siebert noch zwei Tage später, „haben schon vier Gespanne fliegen sehen.“


Auch Godden rutscht das Herz in die Hose. „Wir hatten den Sieg fast in der Hand, dann ist die hintere Kette gerissen“, ächzt der Engländer. „Hoffen blieb unsere einzige Möglichkeit.“


Hinter ihm haben zwei Gespanne nur auf den letzten Drücker ausweichen können. „Raphael San Millan reagiert blitzartig und verreißt“, seufzt Godden. „Bei dem können wir uns nur bedanken. Wir wurden zwar innerhalb eines Augenblicks vom Erst- zum Fünftplatzierten. Aber das hätte auch noch viel schlimmer ausgehen können.“


Das hätte auch viel schlimmer ausgehen können. – Mitch Godden

Auch Manuel Meier/Lena Siebert müssen ausweichen. Meier dreht den Gasgriff komplett zu und verschwenkt in den Innenraum. Das Abschneiden bleibt ungesühnt, weil Meier/Siebert – die 18-jährige Tochter des Vereinsvorsitzenden – damit einen Auffahrunfall verhindern.


Meier/Siebert bleiben zwar zunächst hinter Markus Brandhofer/Bridget Meijerink und Raphael San Millan/Benedikt Zapf lange auf Platz 3 im Finale. Doch das abrupte Verzögern muss den Vergaserschieber überfordert haben, sodass der hängengeblieben sein dürfte. Jedenfalls nimmt der Motor von Meier/Siebert 20 Meter vor der Zieldurchfahrt kein Gas mehr an – sodass Rémi Valladon/Jonathan Bertrand kurz vor der Schachbrettfahne noch vorbeiziehen können.


Mitch Godden und Paul Smith in einer Rennpause in Melsungen. Foto: Christian Platzer
Mitch Godden und Paul Smith in einer Rennpause in Melsungen. Foto: Christian Platzer

Weil das französische Gespann den Lokalmatadoren einen Punkt klaut, verbuchen Meier/Siebert 17 Punkte – genau wie die Finalsieger Brandhofer/Meijerink. Meier/Siebert, die nach ihrem Kolbenklemmer von Schwarme mit ihrer Ersatzmaschine ausrücken mussten, haben zwar alle Vorläufe gewonnen, auch im ersten Duell in Heat 2 gegen Brandhofer/Meijerink. Doch das bessere Finalergebnis gibt den Ausschlag, dass Brandhofer/Meijerink den Sieg von Melsungen holen.


Das Rennen an der A7 erlebt auch die Rückkehr von Philip Lageder. Im Feld der B-Lizenzgespanne. Der Österreicher ist eigentlich Eisspeedwayfahrer. Doch vor drei Jahren hat er sich bei einem Schwedenligarennen in Gävle schwer verletzt. Er hätte diesen Winter auf Spikes antreten wollen, bis ein Skiunfall ihm wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Stattdessen verlagerte er sein Comeback auf ein Gespann – mit Eisspeedwaymechaniker Patrick Lepnik im Beiboot.



Das Team Brandhofer hat dem Inn-Isar-Racingduo Lageder/Lepnik bei der Vorbereitung des Gespanns sehr geholfen. Nach einem Test in Olching war das österreichisch-bayerische Duo in Melsungen erstmals am Start. In Lauf 1 poltert ihnen kurz vor Schluss der Ventildeckel ab, trotzdem retten sie noch drei Punkte. Nach zwei Heats Pause kehren die beiden zurück – und werden wieder Dritte.



 
 
 

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