Das Blödorn-Puzzle: die Rolle von Huckenbeck
- Norbert Ockenga
- vor 12 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Im Ringen im die Polen-Zukunft von Norick Blödorn tauchen auch Gerüchte rund um Kai Huckenbeck und dessen Verbleib in Bromberg auf.
Kai Huckenbeck fährt 2026 eigentlich mit einem klaren Auftrag: Er soll Bromberg zurück in die Erste Liga Polens bringen. Doch während der Aufstieg für den Klub immer realistischer wird, wird die Zukunft des Deutschen plötzlich kompliziert. Huckenbeck besitzt zwar noch einen Vertrag in Bromberg – trotzdem gehört er inzwischen zu den meistumworbenen Fahrern auf dem polnischen Transfermarkt.
Und der Name des Klubs, den man dabei immer wieder hört, ist genau der, an den sich viele schon aus dem vergangenen Jahr erinnern: Posen.
Huckenbeck verlängert im September 2024 seinen Vertrag in Bydgoszcz um zwei Jahre. Damit ist zunächst klar: Der Deutsche bleibt bis einschließlich 2026. Bei seiner Vertragsverlängerung ist das keine Selbstverständlichkeit. Huckenbeck ist 2024 mit einem Schnitt von 2,077 Punkten pro Lauf der zweitbeste Fahrer der Polonia.
Auch für 2026 plant Bromberg zunächst fest mit ihm. Der Klub baut eine Mannschaft, die endlich den lange angestrebten Sprung in die höchste polnische Liga schaffen soll. Neben Huckenbeck stehen Szymon Woźniak, Krzysztof Buczkowski, Aleksandr Łoktajew und später auch Tom Brennan unter Vertrag.
Das Problem: Damit sitzen plötzlich fünf Senioren auf Verträgen, während nur vier Plätze in der Mannschaft zur Verfügung stehen.

Schon im Herbst 2025 wird deshalb in Bydgoszcz darüber spekuliert, wer aus dem Quintett herausfallen könnte. Die polnischen Medien rechnen vor: Huckenbeck, Woźniak, Buczkowski, Łoktajew und Brennan haben Verträge – einer zu viel. Und zusätzlich zu diesem Überangebot kommt noch die neue Ausländer-teils-raus-Klausel, die im kommenden Jahr erstmals in der Ekstraliga greift: Dann müssen von den Positionen 1 bis 7 auf alle Fälle vier Polen im Aufgebot stehen.
Im Frühjahr 2026 ist die Situation zunächst noch sportlich. Huckenbeck muss sich in Bromberg seinen Platz regelrecht erkämpfen. Nach einem schwachen Auftritt beim Kriterium der Asse wird sogar darüber diskutiert, ob er beim Saisonauftakt aus der Mannschaft fällt. Zu seinen Konkurrenten gehören immerhin Woźniak, Buczkowski, Łoktajew und Brennan.
Und während Bromberg seine Aufstiegsambitionen verfolgt, beginnt sich der Blick auf den Kader 2027 zu verändern. Denn wenn Polonia tatsächlich in die Ekstraliga aufsteigt, braucht der Klub Verstärkungen für die Elite. Einige der aktuellen Fahrer werden dann plötzlich zu einer Frage der Kaderstruktur.
Huckenbeck ist davon besonders betroffen.
Nach polnischen Medienberichten liege sein aktueller Vertrag bei rund 600.000 Złoty für die Unterschrift plus 6.000 Złoty pro Punkt. Das sind umgerechnet 139.300 respektive 1.393 Euro. Diese Zahlen stammen aus der polnischen Berichterstattung und sind nicht vom Klub offiziell bestätigt, von Huckenbeck auch nicht.
In Posen entsteht gleichzeitig eine Lücke. Ryan Douglas entwickelt sich dort vom starken Zweitligafahrer zum Superstar der Zweiten Liga. Der Australier ist 2026 einer der überragenden Fahrer der Liga und entscheidet sich schließlich dafür, 2027 den nächsten Schritt in die Ekstraliga zu machen.
Douglas erklärt sinngemäß, dass er jetzt seine Chance in der Elite nutzen wolle. Der Posen-Manager Eryk Jóźwiak akzeptiert die Entscheidung: Wenn Douglas diesen Schritt machen wolle und sich dort durchsetze, werde man ihm das gönnen.
Damit braucht Posen einen neuen Nummer 1-Fahrer. Und hier kommt Huckenbeck ins Spiel.
Bereits Anfang Juli wird bekannt, dass PSŻ mit Huckenbeck Gespräche führt. Neben ihm stehen unter anderem Luke Becker, Jonas Seifert-Salk und Aleksandr Łoktajew auf der Liste.
Der Deutsche hat beim jüngsten Gastspiel in Posen zusätzlich Eigenwerbung betrieben. Huckenbeck holt dort zehn Punkte – genug, um die Verantwortlichen des Klubs endgültig auf sich aufmerksam zu machen.
Bromberg will für den Fall des Aufstiegs aber nicht nur Douglas verpflichten. Auch Łoktajew und Brennan müssen sich für 2027 einen neuen Klub suchen. Denn alle drei punkten dieses Jahr für Bromberg nur dann verlässlich hoch, wenn sie gegen klar unterlegene Fahrer ans Band rollen. Sonst ist die Ausbeute volatil.
Huckenbeck etwa hat unlängst bei einem haushohen Sieg gegen Pila 10 Punkte geschrieben. Es war jenes Rennen, bei dem Łoktajew ihn – hinter Benjamin Basso fahrend – derart in die Bande gedrängelt hat, dass ein Fuß des Emsländers sich unter dessen Raste verfangen hat. Der Sturz sorgte dafür, dass Huckenbeck auch beim Grand Prix in Riga noch unter Schmerzen in Fuß, Bein, Brust und Rücken klagte.

Huckenbeck ist kein Douglas. Der Australier fährt 2026 mit einer außergewöhnlichen Konstanz. Huckenbeck erlebt dagegen ein wechselhafteres Jahr. Seine heurige Saison ist statistisch seine schwächste seit der Rückkehr in die zweite polnische Liga. Trotzdem gilt er weiterhin als Fahrer, von dem man hohe Punktzahlen erwarten darf. In der zweiten Liga – aber nicht in der ersten.
Posen ist aber nicht der einzige Klub. Auch Krosno beschäftigt sich mit Huckenbeck. Krosno plant für 2027 einen größeren Umbau. Namen wie Luke Becker, Jason Doyle und andere Leistungsträger stehen im Mittelpunkt der Überlegungen. Huckenbeck wird als Kandidat für die neue Mannschaft genannt.
Besonders interessant: Ende Juli sorgt ein Training Huckenbecks in Krosno für Aufsehen. Weil der Deutsche dort auf der Bahn trainiert, vermuten einige Beobachter bereits, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht. Doch Brombergs Präsident Jerzy Kanclerz tritt anschließend auf die Bremse.
Er erklärt, dass er mit seinen Fahrern regelmäßig sprechen würde. Keiner habe ihm offiziell mitgeteilt, dass er Bromberg verlasse. Gleichzeitig weiß Kanclerz, dass seine Fahrer mit anderen Klubs sprechen. Das sei für ihn nichts Außergewöhnliches.
Huckenbeck, Łoktajew und Brennan sind zu diesem Zeitpunkt weiterhin Fahrer von Polonia Bromberg. Kanclerz weiß also von den Gesprächen – und blockiert sie nicht grundsätzlich.
Das ist etwas anderes als die Situation zwei Jahre zuvor, als Bromberg bei einzelnen Fahrern sehr deutlich gemacht hat, dass bestehende Verträge eingehalten werden sollen. Der Präsident weiß mittlerweile auch, dass sich die Situation durch einen möglichen Aufstieg verändert.
Denn dann braucht Polonia nicht einfach fünf gute Zweitligafahrer. Dann braucht sie eine Ekstraliga-Mannschaft. Und das verändert die Maßstäbe.
Posen hat im Sommer ausdrücklich erklärt, dass der Klub anders wirtschaften will als manche Konkurrenten. Die Verantwortlichen wollen keine riesigen Vorabzahlungen mehr leisten, die sich bei einem schwächeren Saisonverlauf nicht amortisieren. Das ist eine Reaktion auf die Entwicklung der Fahrergehälter. In Posen soll Douglas 2026 rund 550.000 Złoty für die Unterschrift und 6.500 Złoty pro Punkt erhalten haben – also 127.700 und 1.509 Euro. Für 2027 werden für Spitzenfahrer der zweiten Liga bereits Summen aufgerufen, die sich teilweise der Ekstraliga annähern.

Posen versucht deshalb, seine Kosten kontrollierbarer zu kalkulieren und halten. Das könnte bei Huckenbeck entscheidend werden. Denn sein aktueller Bydgoszcz-Vertrag wird mit etwa 600.000 plus 6.000 Złoty pro Punkt angegeben, also gut 139.000 und 1.393 Euro. Für Posen wäre Huckenbeck also kein Schnäppchen. Aber möglicherweise ein kalkulierbares Risiko.
Die Frage lautet inzwischen nicht mehr: Geht Huckenbeck? Sondern: Wohin geht er?
Posen baut seine Mannschaft für 2027 nicht komplett neu. Bartosz Smektała und Dimitri Bergé sollen bleiben, dazu kommen weitere gezielte Verstärkungen. Huckenbeck würde in ein relativ stabiles Gerüst kommen. Die polnischen Planungen sehen ihn deshalb bereits an einer zentralen Position des neuen Teams.
Krosno könnte dagegen sportlich ebenfalls reizvoll sein. Der Klub will ebenfalls zurück nach oben und verfügt über eine starke Infrastruktur. Huckenbeck kennt die Bahn und hat dort bereits trainiert. Doch Posen scheint Huckenbeck derzeit unbedingt zu wollen.
Wenn Bromberg aufsteigt, ist das der letzte Tango für Huckenbeck im Stadion Miejski im. Marszałka Józefa Piłsudskiego.
Das ermöglicht auch eine Theorie, die seit dem vergangenen Wochenende im Raum schwebt: Wenn neben Huckenbeck auch Brennan und Łoktajew gehen, ist in Bromberg Platz für Norick Blödorn – der gerade bei Thorn zugunsten von Mathias Pollestad aufs Abstellgleis bugsiert wird. Allerdings käme für Bromberg nur ein Ausleihen von Blödorn infrage – und dieses Leihgeschäft reizt den Schleswig-Holsteiner nicht. Außerdem hat Bromberg bereits Wiktor Przyjemski auf der U24-Position, nachdem der dieses Jahr von Motor Lublin zu seinem Stammverein zurückgekehrt ist.
Eine Leihgabe Blödorns nach Bromberg ist also eine unwahrscheinliche Variante, selbst wenn die kujawisch-pommersche Mannschaft aufsteigt.



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