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„Der Mythos zieht seine Kreise“

Mika Frehse erklärt im großen Interview, was der Bergring in Teterow an fahrerischen und technischen Herausforderungen bietet – und wie der Mythos seine Familie über drei Generationen beherrscht.


Du hast in Deinem Vlog auf YouTube gezeigt, dass Du vor Saisonbeginn 2026 auch ein Langbahntraining absolviert hast. Steigst Du jetzt neben dem Speedway auch in den Langbahnsport ein?

Mika Frehse: Ich hatte das mit Enrico Janoschka und meinem Kumpel Atze, Frank Kunkel, in Paschim ausprobiert. Es hat mir viel Spaß gemacht, ich war auf jeden Fall auch schnell – und wir hatten eigentlich geplant, am 1. Mai in Lübbenau mitzufahren. Aber nun ist Enrico Janoschka im Krankenhaus. Weil ich aber mit seinem Motorrad gefahren wäre, lassen wir das ausfallen, genauso wie am 14. Mai das Grasbahnrennen in Lüdinghausen; da wäre ich sonst auch gefahren. Und danach steht schon der Bergring an. Da hätten wir die Motorräder wieder umbauen müssen von Langbahn auf Teterow. Deswegen haben wir gesagt, machen wir das bisschen ruhiger, lassen das erstmal mit Langbahnfahren und konzentrieren uns dieses Jahr noch komplett auf Speedway.


Die Motorräder umbauen? Du fährst also auch auf dem Bergring?


Mika Frehse: Ja, ich fahr am Pfingstwochenende auf dem Bergring. Ich bin da 2024 bin ich schon einmal solo gefahren und dieses Jahr dann auch wieder.


Du kommst ja aus einer Familie, die eine große Bahnsportvergangenheit hat. Opa Hartmut und Vater Thorsten Hopp sind beide gefahren.


Mika Frehse: Beide sind auch auf dem Bergring gefahren, ja. Mein Vater müsste noch einen Bahnrekord in dieser Art 500R-Klasse halten. Man konnte damals auch irgendwie gedrosselt waren, so ähnlich wie heute auch im Speedway für Junioren. In dieser Klasse hat mein Vater das letzte Rennen seinerzeit gewonnen – und hält dort auch den Bahnrekord. Der kann ja nun nicht mehr gebrochen werden.


Das heißt, Du bist auch von Kindesbeinen an schon auf den Bergring groß geworden. Was macht den Bergring so besonders für jemanden, der das quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat?


Mika Frehse: Das ist schon so, wir waren jedes Jahr da, ob zum Auerhahnpokal, selbst auf dem Bergring und auch bei den Pfingstrennen in Güstrow. Montags stand damals auch noch ein Motocrossrennen in Tessin bei Rostock an; Pfingsten war so ein einziges langes Rennwochenende, da waren wir überall – und der Bergring war dabei immer ewas ganz Spezielles.


Man nennt den Bergring heißt ja auch „die Nordschleife des Bahnsports“. Warum ist das so? Was macht ihn derart einzigartig?

Mika Frehse: Du fährst mit einem Motorrad, das eigentlich von Grund auf an ziemlich gleich ist wie eine Langbahnmaschine – aber trotzdem was ganz Anderes ist. Du fährst auf Gras; das gibt es zwar im normalen Bahnsport auch. Aber du hast eine ganz andere Gabel als bei Gras- oder Langbahnrennen. Und du fährst nicht nur linksrum, sondern hast auch Rechtskurven und sogar eine Sprungkuppe. Das alles ist einzigartig. Als Zuschauer siehst du zwar immer nur ein oder zwei Passagen – aber das ist schon alles etwas ganz Besonderes.


Ich vergleiche das immer gern mit dem NASCAR-Sport in den USA. Dort werden die allermeisten Rennen auf Ovalkursen ausgetragen, aber einige wenige Male geht’s dann in Sears Point oder Watkins Glen auf klassische Rundstrecken – und da sind längst nicht alle NASCAR-Fahrer auch so schnell wie sonst im Oval. Für Bahnsportler ist doch sicher schon das reine Fahren mit Richtungswechseln ein Unterschied, an den man sich erst gewöhnen muss – wenn man sonst nur linksrum fährt, egal ob Speedway oder Lang- und Grasbahn?
Mika Frehse: Das geht bei mir tatsächlich, denn ich bin früher Motocross gefahren. Von Runde zu Runde probierst du was anderes aus. Und wenn es besser klappt, behältst du das bei. Dann fährst du eine Rechtskurve vielleicht so leicht im Stehen, weil du dann ja doch bisschen am Driften bist – und das ist phänomenal, wenn du dann dich erst eingeschossen hast. Klar, die Umgewöhnung ist durchaus ein bisschen da, aber wir fahren auch so viel in der Freizeit, deswegen habe ich damit nicht so die großen Probleme.


Die Motorräder müssen umgebaut werden, um auf dem Bergring zu funktionieren? Wie unterscheiden sie sich von klassischen Grasbahnmaschinen?

Mika Frehse: Wir haben von der starren Langbahngabel für den Bergring auf eine mit Federung drin umgebaut. Um die herum wird quasi das Motorrad aufgebaut. Auch der Rahmen unterscheidet sich. Er ist an einigen Stellen anders verstärkt, damit er sich beim Fahren weniger bewegt.


Es soll weniger Flex haben, wie das im Motorradsport-Fachsprech heißt?


Mika Frehse: Genau. Bei meinem letzten Einsatz bin ich noch mit einem komplette Eigenbau mit ganz eigenem Mittelrahmen gefahren, an den das komplette Fahrgestell angebaut war. Dieses Jahr würde ich dann mit dem Motorrad von Janoschka fahren; das ist aber auch noch deutlich überarbeitet. Ich weiß noch nicht, wie und warum genau; ich werde im Training ausprobieren, wie ich es gebrauchen kann.


Braucht man auch andere Motoren, quasi Bergring-Specials so wie Honda in der Formel 1 früher im Suzuka-Specials für sein Formel 1-Heimrennen in Japan gebaut hat?

Mika Frehse: Wir haben jetzt einen Speedwaymotor drin. Der reicht vollkommen. Es ein normaler Offset, kein Baby-Offset. Den nehmen wir auch fürs Bergringrennen.


Die Gebrüder Mika (r.) und Mattes Frehse starten Pfingsten beide auf dem Bergring. Foto: Heike Kleene
Die Gebrüder Mika (r.) und Mattes Frehse starten Pfingsten beide auf dem Bergring. Foto: Heike Kleene

Bedeutet Dir der Mythos Bergring auch schon aus der alten DDR-Geschichte heraus etwas, auch wenn Du damals nicht selbst dabei warst? Oder ist das für Dich in Deinem Alter zu weit weg?


Mika Frehse: Doch, auf jeden Fall. Ich würde mich auch freuen, wenn das ganze Rennwochenende noch wieder so groß werden würde wie es früher gewesen sein muss – über alle vier Tage hinweg. Klar, es sind immer noch jede Menge Leute da; aber es wäre schon schön, wenn da noch ein- oder zweitausend Fans mehr kommen würden.


Wie weit strahlen Mythos und Bedeutung in die ganze Region, den ganzen Nordosten, ab? In Teterow hab’ ich’s selbst gesehen: Da war selbst an einem Speedwaywochenende, als seinerzeit das German Speedway Masters dort gastiert hat, die ganze Stadt im Zeichen des Motorsports und den Bergringrennens dekoriert. Zieht das Kreise bis zu Euch an die Ostseeküste hoch?

Mika Frehse: Der Mythos zieht schon seine Kreise. Wir haben bei uns in Wismar auch einige Leute, die immer den Bergring fahren. Aber das kein so großes Thema wie in der unmittelbaren Umgebung von Teterow.


Was muss man fahrerisch können, um den Bergring zu besiegen; um dort gewinnen zu können?


Mika Frehse: Auf jeden Fall darf man keine Angst vorm Springen haben. Denn gerade der Hechtsprung und diese Mutkurven findet man nur dort; die sind etwas sehr Spezielles.


Gibt es heutzutage noch Bergringspezialisten, so wie es zum Beispiel auf der Langstrecke reine Nordschleifenspezialisten gibt? Oder kann das jeder Grasbahnfahrer?


Mika Frehse: Es ist wirklich so, dass es auch manchen Leuten nicht liegt. Die können zwar richtig gut Langbahn fahren, aber sind beim ersten Mal auf dem Bergring überrascht und kommen da nicht zurecht: Dieses Springen und dann noch eine Welle, dann auch noch andersrum – da kann ich mir vorstellen, dass es Leute gibt, denen das nicht liegt.


Das prominente Beispiel dafür ist ja Gerd Riss, einer der besten Langbahnfahrer aller Zeiten, der immer gesagt hat: „Auf dem Bergring fahre ich nicht“.


Mika Frehse: Genau. Es kann auch die größten Spezialisten überfordern.


Das ganze Gespräch mit Mika Frehse könnt Ihr Euch auch als Video angucken – allerdings mit einigen grimmigen Tonstörungen zwischendrin, deswegen auch die obige Abschrift als Wortlautinterview. Wer die Passagen, die klar rüberkommen, als O-Ton hören möchte, kann das direkt hier tun:



Und hier gibt es noch weitere Episoden aus unserer exklusiven Serie zum Bergringrennen 2026, etwa


  • ein Videointerview mit Stephan Lönnies, dem bislang letzten Bergringsieger direkt aus Teterow


  • eine Übersicht mit Zeitplan, Eintrittspreisen und allem Wissenswerten zu Pfingsten 2026 in der Mecklenburgischen Schweiz




 
 
 

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