top of page

Der Nachmittag der vergebenen Chancen

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Bei der U19-Paar-EM wäre für Deutschland viel mehr drin gewesen, wenn die Abstimmung untereinander gepasst hätte.


Es ist immer dieselbe Leier. Paarfahren ist die hohe Kunst des Speedway. Doch Deutschland hat auch bei der U19-Paar-EM in Pocking zu selten als echtes Paar zusammengefunden – und darum im Kampf ums Treppchen den Kürzeren gezogen.


Patrick Hyjek ist am Samstag nach dem Zweitligafinale von Landshut bei der Paar-EM im Rottalstadion klar schneller als Tyler Haupt. Und das, obwohl auch Hyjek bis kurz vor Schluss mit der Abstimmung seiner Maschinen hadert. Meist gibt Hyjek vorn den Alleinunterhalter, während Haupt sich strecken muss, um noch einen Punkt zu retten.


Dabei erhält Haupt allerdings auch keine Hilfe von Hyjek, wie es im Paarfahren eigentlich geboten wäre: Anstatt zu versuchen, den Hintermann einzubremsen und Haupt so ranzuholen und ihm einen Ansatz zum Überholen zu ermöglichen, fahren beide deutschen Junioren auf sich selbst bedacht ihrer Runden.


Im ersten Lauf gegen die Tschechen ist das noch kein Thema. Dort wird es nur in der ersten Kurve eng, danach sind Petr Kvěch und Adam Nejezchleba keine Gegner mehr. Der weitere Verlauf des bayerischen Nachmittags wird zeigen: Kvěch, nach Vaclav und Grand Prix-Fahrer Jan schon der dritte Bruder der Speedway-Dynastie, und die Tschechen spielen in Pocking in der dritten Liga – zusammen mit Slowenien und der Ukraine. Die entsendet in Makar Lewischin, den jüngeren Bruder von Wittstocks Bundesligastart Marko Lewischin, nur einen Einzelkämpfer – aber von dem wird noch zu reden sein.


Im zweiten Lauf gegen Schweden findet Haupt keinen gescheiten Weg in erste Kurve, wird rausgedrängt und ist Letzter. Hyjek liegt zunächst auf Platz 2, stürzt dann aber. So geht ein Länderduell gegen einen machbaren Gegner verloren.


Patrick Hyjek ist der schnellste Deutsche, doch mannschaftsdienliches Paarfahren kommt nicht zustande. Foto: Heike Kleene
Patrick Hyjek ist der schnellste Deutsche, doch mannschaftsdienliches Paarfahren kommt nicht zustande. Foto: Heike Kleene

Der folgende Doppelsieg gegen die Ukraine ist für Hyjek/Haupt nach den verlorenen Punkten gegen Schweden wichtig. Und nicht selbstverständlich. Denn der alleinige Ukrainer ist leicht und schnell.


Gegen Großbritannien zeigen sich in der ersten Kurve Absprachemangel, wie man sich als Paar am Kurveneingang positioniert. Hyjek und Haupt fahren beiden ganz außen. So geht das Duell gegen die jungen Engländer mit 2:4 verloren.


Gegen England passt schon die erste Kurve nicht. Video: Christian Brunkhorst

Gegen Schweden geigt der Lewischin allein richtig auf: Beide Schweden fahren ihm je ein Mal brüsk vors Motorrad. Doch der Osteuropäer behält Geduld, Nerven und Übersicht, schnappt sich pro Runde je einen Nordmann – und fährt von Platz 3 auf Rang 1 nach vorn.


Das ist wichtig für die Deutschen, denn so egalisiert Lewischin für Hyjek/Haupt die dort verschenkten Zähler.


Hyjek bleibt die treibende Kraft des Teams. Haupt kommt von den Außenbahnen nicht so gut ins Rennen. So gibt es auch nur ein 4:2 gegen Slowenien, wo eigentlich mehr hätte drin sein können.


Trotzdem bleibt Hannah Grunwald auf der Ersatzbank. Sie wird den ganzen Nachmittag nicht eingesetzt, obwohl sie im Training einen stärkeren Eindruck hinterlassen hat als Haupt.


Gegen Dänemark gibt es zwar ein 4:2, aber als Paar wird dabei nicht gefahren. Video: Christian Brunkhorst

Sowohl die Engländer, die sich als Hauptgegner von Deutschland in der zweiten Liga von Pockingh herauskristallisieren, als auch die Tschechen wechseln dagegen. Bei England wird Luke Harrison nach ähnlichen Auftritten wie Haupt in Deutschland durch Cooper Rushen ersetzt, was sich als Glücksgriff im Kampf um Bronze erweist. Bei den Tschechen kann Matěj Tůma dagegen auch nichts reißen.


Gegen Polen, die am Ende knapp vor Dänemark den EM-Titel gewinnen sollen, haben die Deutschen nie eine Chance. Gegen Dänemark verblüfft Deutschland dann mit einem 4:2, wieder von Hyjek im Alleingang getragen und von Haupt mit Rang 3 im Solo unterfüttert. Damit kommen die Deutschen in ein Stechen gegen England. Das verliert Hyjek vom Start weg klar gegen William Cairns. So wird Deutschland hinter Polen, Dänemark und Großbritannien Vierter.


Was bleibt, ist die immerwährende Frage nach dem Warum. Ist Haupt zu langsam? Hyjek nicht umsichtig genug? Fehlen Absprachen? Oder werden sie nur nicht umgesetzt? Wieso ist das Delta überhaupt dermaßen groß?


Man müsste den Tag und die Abläufe aufarbeiten. Wie auch schon so viele andere Veranstaltungen, die seitens der Deutschen nach einem vergleichbaren Muster abgelaufen sind. Bis hin zum Sensationsgold bei der U21-Paar-WM, das in Wahrheit ein Sologold von Norick Blödorn war.


Nur dann kann man für die Zukunft eine weitere Wiederholung vermeiden, eine Steigerung einleiten und Anschluss an die Spitze finden. Denn: Das Fahrermaterial und -potenzial ist dazu so gut vorhanden wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.


Doch man kommuniziert, dass man stolz auf den vierten Platz sein könne.


 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page