Lebedews wird zur tragischen Figur
Schon wieder rinnt dem Letten der Sieg beim Goldhelmrennen auf den letzten Drücker durch die Finger.
So kann man’s aushalten in einem Speedwaystadion. „Mittlerweile werden dir hier Wodka, Whisky-Cola, Gin-Tonic, Aperol oder Slushies für die Kinder an den Platz gebracht“, berichtet Michael Czechan mit hörbar zusammengelaufenem Wasser im Munde vom Goldhelmrennen in Pardubitz. „Es gibt auch nicht mehr nur die übliche Bratwurst oder das Steak – sondern sogar frisch gebratene Meeresfrüchte, dazu georgischen Rotwein. Das hatte hier schon ordentlich was zu bieten.“
Das Goldhelmrennen bietet den Abschluss der Renntage an der Elbe. Hannah Grunwald und Mario Häusl vertreten in den Vorrunden die deutschen Farben, beide schaffen es nicht in die Halbfinals. Kai Huckenbeck ist hingegen für die Hauptrunde gesetzt – und zieht auch in den Endlauf ein, der wie der Störtebekerpokal mit sechs Mann über sechs Runden führt.
Der Endlauf muss drei Mal gestartet werden, weil in den ersten beiden Anläufen jeweils Fahrer zu Sturz gekommen sind. Im ersten Versuch auch Andrej Lebedews. „Der dritte Anlauf des Finals hat dann auch stattgefunden berichtet Podcaster Czechan, dessen neues Werk von „Startband“ sich ausgiebig mit dem Pardubitzer Wochenende befasst. „Für Kai Huckenbeck waren die Abbrüche ein Glück. Denn der ist bei den ersten beiden Versuchen überhauptt nicht gut vom Start weggekommen.“ Auf den Startplätzen hatten sich tiefe Rillen gebildet, in die man mit normalem Schuhwerk bis zu den Knöcheln versank. „Man darf aber nicht vergessen“, relativiert Czechan, „dass hier an den drei Tagen insgesamt 100 Läufe gefahren worden sind.“

Das Finale wird zu einer staubigen Angelegenheit, weil der Bahndienst die Piste vor dem Endlauf nicht mehr anpackt. Lebedews gewinnt den Start vor Jan Kvěch, der sich durch die Vorrunde ins Finale geschuftet hat, und Kai Huckenbeck. Der Emsländer muss sich in den ersten beiden Runden permanent nach hinten orientieren, um seinen dritten Rang zu verteidigen.
Der Lette und Kvěch setzen sich von Huckenbeck ab. Der 24-Jährige aus Strakonitz bleibt am Hinterrad von Lebedews – und setzt in der vorletzten Runden in der Zielkurve zum alles entscheidenden Manöver an: Er taucht innen neben Lebedews ein und verdrängt ihn von Rang 1, gewinnt damit den Goldhelm und die Eso, die es traditionell für den Sieger gibt.
Lebedews dagegen sitzt, als Kvěch jubelt, mit dem Rücken zum Publikum und in sich zusammengesunken auf dem Siegerpodest wie ein Häufchen Elend. Der Lette wird langsam zur tragischen Figur der Eishockey- und Speedwaystadt: Im vergangenen Jahr ist ihm auf Platz 1 fahrend der Hinterreifen geplatzt, jetzt überrumpelt ihn Kvěch auf scheinbar schon sicherem Siegkurs.



Kommentare