Madsen liest am besten
So lief das Finale der Speedway-EM in Pardubitz am Freitagabend.
Den ersten Knall gibt es schon im zweiten Training. Da kracht ein Steinchen von der Bahn in Pardubitz mit unglücklicher Präzision in die Seitenscheibe des Rettungswagens neben der Bahn – und zertrümmert das Glas in tausend Teile.
Kurz herrscht Aufregung, wo man in der Kürze der Zeit bis zum EM-Finale in Tschechien einen zweiten Rettungswagen herkriegt. „Aber innerhalb von 10 Minuten stand da ein neues Fahrzeug“, staunt Michael Czechan, der für den Podcast „Startband“ an der Elbe vor Ort war. „In Deutschland undenkbar.“
Czechan muss es wissen: Er arbeitet im wahren Leben auf Rügen als Sanitäter auf einem RTW.
Und mit seinem Podcast hat er das lange und oft auch feuchtfröhliche Wochenende in der Tschechei schon mit einer ausgiebigen Vorschau eingeläutet, gemeinsam mit seinem Podcastpartner René Eberhardt:
Das Stadion sei gut zur Hälfte gefüllt, gewesen, berichtet Czechan weiter. „Die Bahn ist relativ breit, von daher zerlaufen sich die Heats in der EM immer ein bisschen. Sechserspeedway würde der EM hier sicher guttun.
Kai Huckenbeck reist nach einer turbulenten EM-Saison noch mit einer Minimalchance auf den Europameistertitel an. Doch dazu muss der Emsländer jedes einzelne Rennen inklusive des Finals gewinnen. „Die Träume wurden schon im ersten Lauf zunichte gemacht. Es gab zwei Restarts. Den ersten hat keiner verstanden. Es hat keiner gesehen, ob da einer angezuckt hat. Beim zweiten Abbruch ging das Band auf einer Seite nicht richtig hoch. Schiedsrichterin Christina Turnbull hat das dennoch relativ lange laufen lassen. Es wirkte so, als würde das Rennen im Chaos starten. Aber das hat sich dann nachher gelegt“, schildert Czechan. „Bei der Rechnung, dass Huckenbeck Europameister werden kann, ist allen Deutschen klar: Jeder Lauf kann der letzte sein. Im ersten Lauf hat er sich die Chance gleich selber genommen. Er ist im dritten Wiederholungslauf wegen Kupplungsschadens ausgefallen.“
Das EM-Finale steht im Zeichen von Leon Madsen, der letztlich auch den Titel holen wird. „Er hat es schnell verstanden, sich auf die Bahn einzustellen. Er ist nicht immer nur mittig gefahren, sondern hat sich auch nach außen gewagt. Das gleiche galt später auch für Huckenbeck – nachdem er im nächsten Rennen mit nur einem Punkt gestartet ist“, berichtet Startband-Czechan weiter. „Danach hatte er Blau und Gelb, die besten Startpositionen des Abends. Da ist er ins weiche Geläuf rausgefahren. Nach dem zweiten Block lag da auch jede Menge tiefes Material – und Huckenbeck ist zwei Mal vorn den Anderen einfach weggeflogen. Im letzten Lauf gab es dann noch ein Mal einen Punkt von einem schlechteren Startplatz.“

Während Madsen – obschon in der Abendwertung hinter Maciej Janowski und Mikkel Michelsen nur Dritter – schon Europameister ist und Huckenbeck beim Interview für die neue Folge von „Startband“ steht, erleben die Zuschauer noch den heimlichen Höhepunkt des Abends: das Stechen um Rang 6 zwischen Patryk Dudek und Jan Kvěch. Das Stechen war grandios. Dudek startet von Rot, Kvěch vonggelb. Beide stehen schon in ihren Startboxen sehr dicht zusammen. Und im Verlauf der vier Runden wird es nur noch enger. Jeder rangelt um die gleiche Linie, in einer Kurve sieht es so aus, als würde Kvěch sich von hinten kommend mit dem Polen verhaken. Mehrfach fliegen die Positionen hin und her, bis zum Schluss.
Letztlich setzt sich Dudek durch und rettet mit Rang 6 die Quali. Huckenbeck beendet die EM als Achter.



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