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Der Videobeweis

Filmaufnahmen vom heutigen Test des Niederländers Sebastian Reitsma zeigen, warum das Sturzopfer von Sonntag die Maschine noch nicht in schneller Kurvenfahrt bändigen kann.


Besonders die Perspektive von hinten ist entlarvend. Denn der Kamerawinkel vom Kurvenäußeren in Östersund zeigt: Die Schulterprellung zwingt Sebastian Reitsma eine völlig andere Haltung im Neigewinkel auf als seinen Fahrstil sonst auszeichnet.


Jedes Mal kann er den Druck nicht aufrechterhalten und so auch nicht verhindern, dass die Maschine sich dann jeweils wieder aufstellt und in eine zu aufrechte Haltung übergeht.


Der Niederländer räumt ein: „Ich versuch’s ja. Aber wegen der Schmerzen haut das nicht hin. Es wird zwar schon besser – aber es tut immer noch gewaltig weh.“


Es tut immer noch gewaltig weh. – Sebastian Reitsma

Die Videoaufnahmen von den Testfahrten am Vormittag des heutigen Dienstags zeigen zwei Versuche von Reitsma, die Maschine aus dem Oberkörper heraus in die Kurve und in Schräglage runter ins Eis zu drücken. „Wir sind noch ein paar Mal öfter gefahren“, sagt Reitsma, „haben aber nicht alles gefilmt."


Videoaufnahmen vom Test in Östersund zeigen, warum sich Sebastian Reitsma wegen seiner am Sonntag zugezogenen Schulterverletzung in den Kurven noch schwertut.

Jedes Mal muss der Rotschopf die Kraft wieder rausnehmen und den Oberkörper öffnen; die Körperhaltung ist nicht so straff in einer geraden Linie wie üblich, sondern mit sichtbar nach rechts, also oben, gebogenem Rückgrat. „Vielleicht gehen wir morgen wieder raus“, wiegelt der 19-Jährige aus Westhoek, einem kleinen Dorf an der Nordsee in Sichtweite zur Insel Terschelling. „Aber ganz genau wissen wir das jetzt noch nicht.“


Das Foto aus der WM-Qualifikation zeigt, wie Reitsma seinen Oberkörper normaler Weise vorbildlich in gerader Linie halten und die Maschine so in die Kurven lehnen kann. Foto: FIM
Das Foto aus der WM-Qualifikation zeigt, wie Reitsma seinen Oberkörper normaler Weise vorbildlich in gerader Linie halten und die Maschine so in die Kurven lehnen kann. Foto: FIM

Reitsma geht übrigens mit einem neuen Rahmen in die Saison 2026. Zwar ist das jetzige Fahrgestell genauso von der Tibo, also aus der Schmiede des legendären, an Krebs gestorbenen Tüftlers Tjitte Bootsma – aber taufrisch. „Die alte Maschine hat mein Vater auch schon gefahren“, schmunzelt Reitsma, „da wurde es Mal Zeit für einen Wechsel.“


Der 19-jährige Shootingstar aus Friesland kann sein Motorrad am heutigen Dienstagvormittag noch nicht wieder aus dem Oberkörper heraus runter auf die Bahn drücken und dann dort konstant in Position halten.

Vater Simon Reitsma ist ein Faktotum des niederländischen Eisspeedway, der nicht nur seinen Filius Sebastian schon als zehnjährigen Dreikäsehoch auf die Maschine setzte – sondern auch ein großes Herz für andere Rennfahrer hat und denen schon bei leichtem Interesse am Eisspeedway sofort tatkräftig Hilfestellung leistet.


So hat Papa Reitsma auch dem inzwischen 66-jährigen Engländer Tim Dixon – ursprünglich Grasbahnfahrer, danach lange Jahre im Beiboot diverser Gespanne bei der irrwitzigen Isle of Man TT unterwegs – zum Eisspeedway verholfen. Dixon, ein wahrer Pfundskerl, hat zwar eine Maschine eines Landsmann gekauft – die aber aus lauter Dankbarkeit für Simon Reitsmas erste Hilfe bei Trainings am Polarkreis in Oranje-Farben lackiert.


Auch Sebastian Reitsma verdankt seinen kometenhaften Aufstieg dem Vater Simon: einerseits wegen dessen dominant vererbter Gene in Sachen Fahrzeugbeherrschung – aber auch, weil die Familie seit 2020 jedes Mal zu ausgiebigen Trainingslagern in Schweden ausrückt. Und Reitsma jr. scherzt noch heute, er hätte früher Motorrad- als Fahrradfahren gelernt.


 
 
 

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vor 6 Stunden

Sebastian gōnne Ich Platz bei die erste 8 beim Qualy WM. Uwe Smit

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