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„Jetzt weiß ich, was die meinen“

Die ersten beiden Allsvenskan-Ligatage brachten nicht nur eindrucksvolle Vorstellungen von Max Niedermaier d.J., Leon Kramer und Sebastian Reitsma – sondern vor allem eine gewaltige Steigerung von Eisneuling Simon Mayer.


In Östersund bist Du drei Mal zum Einsatz gekommen und hast einen Punkt geschrieben, beim zweiten Lauf in Strömsund waren’s dann plötzlich fünf aus vier. Das klingt doch schon Mal nach was.

Simon Mayer: In Östersund fuhr ich mein allererstes Eisspeedwayrennen, da war ich vorher extrem aufgeregt. Ich hab’ erstmal a bissl schauen müssen, wie alles funktioniert, weil die Abläufe beim Ligarennen immer ein bisschen anders sind als bei einem normalen System. Das ist mir bei meinem ersten Lauf gleich zum Verhängnis geworden. Wobei: nicht mal mir. Bei einem Ligarennen hat ein Team die Helmfarben rot und blau, das andere weiß und gelb. Rot startet von der Innenbahn, dann kommt weiß, dann blau und dann gelb. Im normalen System ist es dagegen rot – blau – weiß – gelb. Man darf im Ligasystem zwar untereinander tauschen, aber die Aufstellung an sich ist halt eine andere als gewohnt.


Und wie ist Dir das in Heat 1 zum Verhängnis geworden?

Simon Mayer: Einer unserer Gegner von Rundbana Örnsköldsvik, Martin Börjegren, ist mit der weißen Helmfarbe auf den normalen weißen Startplatz gefahren. Ich wusste, dass das nicht richtig ist. Aber der Startmarschall hat mir signalisiert, dass ich auf den herkömmlichen blauen fahren soll. Ich habe in meiner Unwissenheit nicht drauf bestanden, auf den richtigen Startplatz zu fahren, sondern mich auf den falschen aufgestellt, den er mir zugewiesen hat. Das ist halt reine Nervosität, vielleicht war ich auch schon anderweitig beschäftigt. Aber sonst hat’s für mein erstes Rennen schon gepasst.


Bei minus 18 Grad ist mir das Kondenswasser in der Brille sofort angefroren. Ich hatte einfach keine Sicht. – Simon Mayer

Wie erklärst Du die große Steigerung beim zweiten Renntag?

Simon Mayer: Als Neuling beginnt man im Averagesystem der Liga immer mit 2. Jo Sætre und Maxi Niedermaier haben dagegen mit ihren tatsächlichen Averages angefangen: 1,7 und 1,5 – also weniger als Paul Cooper und ich. Und anhand der Averages werden auch die Startplätze verteilt. Die beiden Fahrer mit dem höchsten Schnitt müssen immer im Feld sein, der niedrigste ist der Joker; er kann immer einspringen. Das war bei uns Maxi Niedermaier. Die ersten beiden Fahrer haben fix sechs Starts, die anderen drei. In Strömsund habe ich mit Paul Cooper die Startnummern getauscht. Das heißt, dass ich mathematisch auch mehr Einsätze hatte. Im ersten Lauf holte ich gleich zwei Punkte hinter Isak Dekkerhus aus Gävle. Da habe ich mich sehr drüber gefreut. Dann folgte ein Doppellauf, weil Jo Sætre Motorprobleme hatte: Ich war Lauf 5 und Lauf 8 dran. Dabei habe ich einen klassischen Anfängerfehler gemacht: Ich habe die Brille schon aufgesetzt, als ich gleich wieder ran sollte. Doch der Crash mit Jimmy Hörnell und Sebastian Reitsma hat alles verzögert. Bei minus 18 Grad ist mir in der Wartezeit die Brille angelaufen – und das Kondenswasser innen in der Brille ist sofort gefroren. Ich hatte einfach keine Sicht. Aber in dem Lauf hätte ich eh nicht viel reißen können.


Das Rennen ging gegen Josef Kreuzberger und Hans-Olof Olsén als Ersatzmann für Hörnell. Maxi Niedermaier hat den Lauf immerhin gewonnen, und als Paar habt Ihr gegen Strömsund so ein Unentschieden geholt. Was auf deren Heimbahn Strömsvallen ein sehr wichtiger Eckpfeiler für Euren späteren Gesamtsieg war.

Simon Mayer: In Lauf 3 fuhr ich wieder mit Cooper gegen Leon Kramer und Anton Larsson Widén aus Bollnäs. Das war einer meiner beten Läufe überhaupt. Ich konnte mit Kramer kämpfen.


Simon Mayer wärmt sich und sein Motorrad vorm Allsvenskan-Ligarennen von Östersund auf. Foto: Christian Platzer
Simon Mayer wärmt sich und sein Motorrad vorm Allsvenskan-Ligarennen von Östersund auf. Foto: Christian Platzer

Und der war tags zuvor im Östersund immerhin Punktbester.

Simon Mayer: Paul Cooper hat den Heat gewonnen, ich habe einen Punkt geholt. Fünf Punkte sind schon sehr gut für einen Beginner. Man darf nicht vergessen: Ich war heute das erste Mal in Strömsund. Ich habe nicht gewusst, was mich erwartet, außer von ein paar Videos; vor Ort war ich noch nie. Die Bahn hat mir durchaus gelegen. Aber das Eis wird in Strömsund sehr schnell sehr schlecht. Das haben mir vorab viele gesagt. Ich habe nicht gewusst, was die meinen. Aber jetzt weiß ich’s. Es gab unverhältnismäßig viele Stürze und Ausfälle. Im letzten Lauf sind dann ja auch nur Maxi Niedermaier und ich sowie in Martin Börjegren lediglich ein Fahrer von Rundbana angetreten, und der ist am Start gleich ausgefallen. Das 5:0 war wichtig für unseren Gesamtsieg. Da war die Bahn sehr, sehr schwierig zu fahren. Das gehört zum Eisspeedway dazu, dafür sind wir hier. Ich bin sitzengeblieben. Ich konnte mit dem einen oder anderen Fahrer kämpfen. Und meine Starts haben sich massiv gesteigert. Wie ich zu Anfang, bei unseren ersten Trainings mit Inn-Isar-Racing in Ö’vik, gefahren bin – das kann man mit heute gar nicht mehr vergleichen.


Mit diesem Doppelsieg ohne Gegner sichern Max Niedermaier und Simon Mayer den Auswärtssieg am Sonntag ab. Video: Christian Platzer

Für bessere Starts habt Ihr vorab das Innenleben Deiner Kupplung umgekrempelt und auf denselben technischen Stand wie an der Maschine von Max Niedermaier gebracht. Die genauen Maßnahmen und Veränderungen kann sich jeder im aktuellen Podcast anhören. Am kommenden Wochenende ist die WM-Qualifikation in Örnsköldsvik. Da bist Du nicht dabei. Die Allsvenskan hat noch ein bisschen Pause. Wie lauten Deine weiteren Planungen für die nächsten Wochen?

Simon Mayer: St. Johann wäre ein Rennen, wo ich sehr gern fahren würde, zumal ich gehört gaben, dass es dort sogar eine Rookiewertung gegen soll. Das wäre für mich quasi ein Heimrennen, da ich aus Rosenheim bin. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich da fahren dürfte. Es ist scheinbar noch offen, ob es ein klassisches 16er-Feld geben wird – oder ein 12er-Feld mit einer Rookiewertung daneben. Aber freuen würde es mich, wenn ich in St. Johann fahren dürft’.


Den Podcast mit vielen Interviews aus dem Eisspeedway und interessanten Hintergründen zur Technik und zur Lernphase von Simon Mayer könnt Ihr Euch hier anhören:


 
 
 

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