Großbaustelle in Friesland
In Moorwinkelsdamm wird gerade die SVG-Arena komplett umgebaut.
Die letzte große Veranstaltung hatte nichts mehr mit Bahnsport zu tun: Am Morgen des Erntedankfests versammelten sich die Teilnehmer des traditionellen Umzugs im Stadion des MSC Moorwinkelsdamm, um von dort aus koordiniert und an Buden vom Verein gestärkt aufzubrechen. Danach gab es noch einen Trainingsdienstag – und dann rollte schweres Gerät in der Friesischen Wehde an.
Denn jene Arena, in welcher der Traditionsverein aus dem hohen Nordwesten Deutschlands jedes Jahr im Mai seinen Master of Speedway kürt, wird über den Winter komplett renoviert. „Im Prinzip“, verrät Vereinsvorstand Jochen Rädiker, „bilden wir die Bahn von Thorn nach.“
Insgesamt 400.000 Euro fließen in den Großumbau. „Wir bauen in den Kurven eine Überhöhung von sechs Prozent ein“, erläutert Rädiker, „und wir nehmen den Höhenunterschied von der Fahrerlager- zur Zielkurve weg. Bislang lag die Zielkurve um 50 Zentimeter tiefer. Das hat man schon gemerkt, wenn das Wasser vom Bahndienst da runtergeflossen ist. Und auch daran, mit wie viel mehr Schwung die Fahrer in der unteren Kurve ankamen als oben vorm Fahrerlager. Jetzt legen wir ein anderes Layout.“ Und ein neuer Belag wird auch gleich aufgebracht.
Neben der eben gemachten und anders zugeschnittenen Bahn bekommt die Anlage auch eine neue Einfassung mit beweglichen Banden, wie sie der Weltverband FIM künftig für alle Prädikatsläufe vorschreibt. Die Planken sind dann nicht mehr an starren Metallsäulen im Boden eingelassen – sondern deren Fassung ist so flexibel, dass die Bande bei einem Einschlag nachgibt und danach automatisch wieder in die Ausgangsposition zurückflutscht.
Denn, verrät Rädiker, „unser Ziel ist es, auch wieder Prädikatsläufe in Moorwinkelsdamm auszutragen“.
Im Prinzip bilden wir die Bahn von Thorn nach. – Jochen Rädiker
Im Inneren der eigentlichen Speedwaybahn wird zudem eine Trainigspiste für Kinder und Jugendliche errichtet. Schon jetzt wird im Sommer alle 14 Tage dienstags ein Trainingsabend angeboten, auch mit Schnupperkursen, für die der Verein eigene 50-Kubik- und kleine Elektromotorräder zur Verfügung stellt. Die Jugendabteilung ist dazu das ganze Jahr über auf Motorradmessen und ähnlichen Veranstaltungen und unterwegs, um Kindern und deren Eltern für solche Schnuppertage zu begeistern – von der Blumenhalle Wiesmoor bis zur Weser-Ems-Arena in Oldenburg, ins Ammerland, nach Bremen und in die Weser-Ems-Region hinein.

Mit gewaltigem Erfolg: Bis zu 20 Kinder, die sich erstmals auf eine Maschine wagen, sind an einem ganz normalen Dienstag in Moorwinkelsdamm keine Seltenheit. Sie werden von mehreren Trainern mitgenommen: Zuerst zu einem Aufwärmtraining mit Joggen und Dehnübungen auf der Bahn, danach zu Fahrten zwischen Pylonen auf dem Rasen des Infields – während draußen, auf der eigentlichen Bahn, die 125-, 250- und 500-Kubikfahrer vom Klub und der Region trainieren, unter Anleitung von Sönke Petersen. Der hat aus dem nahen Oldenburg eine kurze Anreise über die A29 hoch nach Friesland.
Auf der neuen Anlage wird die Schnupper- und Nachwuchsarbeit professionalisiert: Auch die Krabbelgruppe hat dann eigene Speedwaybahn, statt nur auf Gras fahren zu können.
Die Investitionen von 400.000 Euro kann der Verein sich leisten, weil zwei Unterstützerprogramme angezapft werden: Die Sportstättenförderung des ADAC übernimmt einen Teil der Kosten für die große Bahn. Die Trainingspiste im Innenfeld wird vom sogenannten „Leader“-Programm möglich gemacht, das etwa auch an den Ortseinfahrten des Touristen- und Naherholungsorts Bad Zwischenahn digitale Hinweis- und Veranstaltungswerbetafeln finanziert hat: ein Förderprogramm der EU, mit dem Projekte im ländlichen Raum durch Zuschüsse unterstützt werden, um Dörfer und Regionen zukunftsfähiger, nachhaltiger und attraktiver zu gestalten.



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