top of page

Make Britain Great Again

vor 4 Stunden
3 Min. Lesezeit

Die Premiership auf der Insel plant einen drastischen Schritt für einheimische Fahrer, um die eigenen Ligen attraktiv zu halten.


Die Briten nutzen die Möglichkeiten des Brexit. Künftig soll jeder Brite, der nicht in einer der beiden Ligen auf der Insel fahren möchte, bei internationalen Rennen unter der Flagge eines anderen Verbands segeln. Das ist die Folge einer Regeländerung, die ab 2027 in Kraft treten soll: Dann werden alle Fahrer, die eine Lizenz der „Autocycle Union“ beantragen, verpflichtet, zu ihrer Ausstellung auch einen Vertrag eines Britenligisten vorzuweisen.


Diese Umkehr des Bosman-Urteils soll dafür sorgen, dass jüngere Fahrer sich nicht schon früh gegen Vereine in England entscheiden – und stattdessen ihren sportlichen und sonstigen Lebensmittelpunkt nach Polen verlegen. Daraus macht Phil Morris als Chef der Premiership auf der Insel keinen Hehl.


In einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Speedway Star“ räumt der Waliser ein, die Neuerung sei gedacht, „um die britischen Ligen zu schützen und zu verhindern, dass die Fahrer nur in Polen und Schweden fahren, sollte die Regel ‚Eine Liga plus eine Liga‘ je kommen. Denn danach sah es zwischenzeitlich ja aus.“


Damit meint Morris eine geplante, aber wieder verworfene Verschärfung der Fahrerverträge für die polnische Liga. Deren Machthaber hatten ursprünglich geplant, ihren Fahrern nur eine weitere internationale Liga neben der polnischen zu gestatten – als fest verankerte Klausel in den Verträgen.


Tom Brennan, hier mit Sam Masters, soll auf jeden Fall in England bleiben. Foto: Heike Kleene
Tom Brennan, hier mit Sam Masters, soll auf jeden Fall in England bleiben. Foto: Heike Kleene

Die Reaktion darauf, die Briten quasi zu einer Staatenlösung zu zwingen, soll vor allem Fahrer vom Kaliber eines Adam Ellis und Tom Brennan dazu bringen, sich nicht nur aufs Ausland zu konzentrieren. Ellis hatte 2025 mit Ipswich den Titel gewonnen, doch im Vorjahr zunächst auf die Premiership verzichtet, ehe er im Laufe des Jahres doch zu den Neulingen aus Northampton gestoßen war.


Und Ellis hatte auch über eine Konzentration auf Polen und Schweden nachgedacht. Das wäre ihm fast auf die Füße gefallen. Denn der Dartskumpel von Kai Huckenbeck kam bei ihrem gemeinsamen Klub in Bromberg in der zweiten polnischen Liga kaum zum Einsatz. Hätte er der britischen Szene entsagt, wäre er heuer auf weniger als 10 Rennen gekommen. Vor dem Hintergrund der fehlenden Einsätze hatte Brennan zwischendurch auch schon damit geliebäugelt, den Sport Ende 2026 ganz an den Nagel zu hängen.


Die Krux an der Sache: In Polen, Schweden und Dänemark gibt es sogenannte Kaderlösungen. Jede Mannschaft hat einen ganzen Pool von Fahrern, aus dem die Teammanager schöpfen können. In den beiden britischen Ligen dagegen sind die Mannschaftspositionen fest besetzt, nur bei Verletzungen oder ganz schlechten Leistungen werden die Truppen auf der Insel umformiert.


Man verdient als Fahrer zwar pro Rennen weniger – hat aber dennoch mehr Einnahmen auf sicher, weil man mit mehr festen Einsätzen planen und rechnen kann als bei der Kaderlösung in Polen, Schweden und Dänemark.


Die Zwangsverpflichtung der ACU-Lizenznehmer solle laut Morris keinen Einfluss auf die Besetzung der Nationalmannschaft haben. Wenn Fahrer wie etwa Weltmeister Robert Lambert, der in Thorn wohnt und kein Interesse an der Premiership zeigt, der Insel weiterhin den Rücken kehrt – dann müsse der halt eine Lizenz eines anderen Verbands lösen, sagt Morris. „Schon viele Fahrer sind unter der Lizenz eines anderen Landes gefahren. Aber für die Nominierung geht es nur um die Staatsbürgerschaft. Der betreffende Fahrer würde immer noch die Flagge Großbritanniens auf der Brust tragen, und bei einem Grand Prix-Sieg würde die britischen Hymne gespielt werden.“

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page