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Mowi’damm zündet Raketen-Ebel

vor 21 Stunden
3 Min. Lesezeit

Beim zweizügigen Finale der Liga Nord am Wochenende bahnt sich gleich die nächste personelle und taktische Sensation an.


Ein Blick ins Programmheft morgen Abend enthüllt Überraschendes: Johannes Ebel wird für den MSC Moorwinkelsdamm bei Teil 1 des Liga Nord-Fernfinales auf der 500R-Position gelistet. Der gerade 13-Jährige aus Melln, einem Stadtteil in Lenzen an der Elbe in Brandenburg, steht damit zum ersten Mal vor einem Rennen auf einer der gedrosselten Halblitermaschinen für die Jugend.


Ebel trainierte am Montagabend in Wolfslake, wo er auch mit den Friesen antreten wird – in diesem denkwürdigen Zweitagesfinale, in dem Mowi’damm am Sonnabend vorlegt, die Titelrivalen Güstrow und Meißen dann am Sonntag in Brokstedt kontern können.


Zuvor hatte Ebel bereits zwei Trainings in Güstrow absolviert – und einen Teil seiner Sommerferien mit den Eltern Jens und Simone in Graudenz verbracht. Denn in der Stadt am rechten Weichselufer zwischen Thorn und Danzig konnte Johannes Ebel beim Training der U24-Ekstraligamannschaft der Graudenzer mitmachen. „Bei einem Training waren sogar Michael Jepsen Jensen und Wadim Tarasenko aus der eigentlichen Ekstraliga-Mannschaft mit dabei“, rekapituliert Vater Jens Ebel. „Die sind zwar allein auf der Bahn gefahren, nicht mit den Junioren. Aber allein da zuzuschauen, war für Johannes sehr interessant. Dümmer ist er dadurch sicher nicht geworden.“


Dümmer wird er dadurch sicher nicht. – Jens Ebel

Familie Ebel kaufte für Jung-Johannes zwei Gebrauchtmotorräder von Lukas Baumann, mit denen der für Breslau in der U24-Ekstraliga gefahren war – mit Matten-Kröger-Motoren samt Zahnriemenantrieb statt Primärkette sowie mit hydraulischer Kupplungsbetätigung statt Bowdenzug, was im Eisspeedway oft, im Sommerspeedway dagegen höchst selten vorkommt. Der Däne Mads Hansen, der am Sonnabend bei der Night of the Fights in Cloppenburg antreten wird, fährt Zeit seiner Karriere auch genau diese technische Kombination. Papa Ebel war bei Familie Hansen zuhause, um sich vom 26-Jährigen und dessen Vater Torben, der als Mechaniker arbeitet, in die ungewöhnliche Technik einweisen zu lassen.


Johannes Ebel (links) trainierte im Sommer mit dem Graudenzer Nachwuchs. Foto: Simone Ebel
Johannes Ebel (links) trainierte im Sommer mit dem Graudenzer Nachwuchs. Foto: Simone Ebel

Ebels 85-Kubikmaschinen hat der Parchimer Nachwuchsfahrer Rune Schmiege gekauft, Johannes Ebel sprang direkt von den 85ern auf die 500R. Mit denen trainierte er in den Sommerferien vier Mal in Graudenz, jedes Mal für 90 Minuten bis zwei Stunden. „Er hat viel über Körperhaltung und die Art, wie man eine 500R fahren muss, gelernt“, blickt Vater Jens zurück. „Und er hat auch gelernt, wie man als Kind seine Maschinen gründlich saubermachen muss. Denn das System in Polen funktioniert etwas anders als bei uns: Die Kinder kommen da mit dem Fahrrad angefahren und holen die vereinseigenen Maschinen aus dem Schuppen. Sie bringen nur ihre persönliche Schutzausrüstung mit. Nach dem Training müssen sie die Maschinen selber saubermachen. Und ein angestellter Werkstattmeister guckt da so lange immer wieder rüber, bis er das gut genug findet.“


Lokalmatador Robert Kościecha, der früher auch in der Bundesliga für den MC Güstrow gefahren ist, wirkt inzwischen in seinem Heimatverein Graudenz als einer der fest angestellten Trainer. Der 48-Jährige hat sich auch intensiv mit Gastabsolvent Ebel befasst. Für den Brandenburger wiederum war es nicht die erste Ferien-Bildungsreise nach Graudenz: Im Jahr zuvor hatte er bereits mit seiner 85-Kubikmaschine auf der Kinderbahn des Vereins trainiert, die einen Kilometer außerhalb liegt.


Am Montag trainierte Ebel noch in Wolfslake. Dort fährt er Freitag Liga Nord. Foto: Tobias Karnatz/Team Ebel
Am Montag trainierte Ebel noch in Wolfslake. Dort fährt er Freitag Liga Nord. Foto: Tobias Karnatz/Team Ebel

Neben dem reinen Fahren auf der Erwachsenenmaschine hätte er nun auch viel über die Abstimmungsarbeit mitgenommen, sagt Vater Jens: „Er hat grundsätzlich gelernt, wie man so eine Maschine einstellen muss – und auch viel mit dem Radstand probiert und damit, wie man die Kette länger oder kürzer machen muss.“


Im Aufgebot der Friesischen Löwen vom MSC Moorwinkelsdamm für das hoch spannende Finale der Liga Nord taucht Johannes Ebel auf der 500R-Position auf. Dort, wo sonst Dominic Hamminga fährt. Doch der startet am selben Tag beim Goldhelm in Veenoord in den Niederlanden. Mowi’damm widmet sich deswegen mit einer Doppelbesetzung auf der Juniorplanstelle fürs Finale: Ebel im Stammaufgebot, Jan Öltjenbruns als Reservist für die 500R. Das ermöglicht den Norddeutschen einige raffinierte taktische Spielmöglichkeiten. „Wir gehen erstmal nur davon aus, dass Johannes in Wolfslake Training fahren wird. Mehr wissen wir noch nicht“, erläutert Vater Jens. „Aber selbst wenn es nur dabei bleibt – auch das macht ihn wieder sicher nicht dümmer.“

 
 
 

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