Männer aus Stahl
- Norbert Ockenga
- vor 6 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Heikki Huusko wird schnell mal neben dem Fahrerlager am Oberschenkel genäht und fährt danach einfach weiter.
Eisspeedwayfahrer sind keine normalen Menschen. Und Heikki Huusko ist noch Mal aus ganz besonderem Stahl geschmiedet. In Inzell wird der Finne in der ersten Kurve außen torpediert und als wehrloses Opfer gegen die Begrenzung geschleudert.
Der Europameister kehrt mit klaffender Wunde am linken Oberschenkel zurück ins Fahrerlager und lässt sich mit einem lauten Seufzer in den Sessel fallen. Blut quillt aus dem aufgeschlitzten Overall und vermittelt ein gruseliges Bild.
Nachdem Rennärztin Dr. Barbara Patz sich um ihn gekümmert hat, bleibt er mit leerem Blick allein in der Box. „Ich weiß noch nicht, ob sie die Wunde im Krankenhaus nähen, vielleicht wollen sie es auch hier versuchen.“ Doch die kesse Bemerkung, im letzteren Fall könne er ja – wie in Heerenveen im Vorjahr – später wieder weiterfahren, verfängt nicht: „Ich glaube nicht, dass das geht. Dieses Mal ist die Wunde ziemlich tief. Vielleicht sogar bis in den Muskel.“
Besten Dank auch, Herr Kamikaze. – Heikki Huusko
Eine gute Stunde später sitzt Huusko wieder auf seinem Motorrad. Wegen vieler Stürze hat sich die Veranstaltung ziemlich gezogen, er hat nur zwei Rennen verpasst – und gewinnt gleich seinen ersten Lauf nach der Rückkehr aus dem Rettungswagen gegen Franz Zorn.
Denn die Ärzte Dr. Patz und Christoph Bader haben Huusko tatsächlich im Rettungswagen direkt neben dem Fahrerlager genäht. „Ich habe die Stiche nicht mitgezählt“, sagt Huusko. „14 oder 15 werden’s wohl gewesen sein. Denn die Wunde zieht sich ein Mal schräg über den gesamten Oberschenkel.“

Huusko stürzt ein Rennen später erneut, fährt aber auch im darauffolgenden Heat wieder raus – und wird da sogar Zweiter hinter dem späteren Grand Prix-Sieger Niclas Svensson.
Über den Unfallhergang herrscht lange Rätselraten. Huusko geht zunächst davon aus, dass der innen neben ihm fahrende Landsmann Max Koivula ihn abgeschossen hätte. Später taucht ein Video auf, das zeigen soll, wie ganz innen Hans Weber die Kontrolle verliert, sich mit Koivula berührt und der dann als Kettenreaktion in den nichts ahnenden Huusko hineingeworfen wird. Ein Unfall wie ein Kegelwurf.
Huusko schaut sich das Video an, das aus der Tribünenperspektive mit einem Mobiltelefon aufgenommen worden ist – und grollt dann mit finsterem Blick in Richtung des Teamzeltes von Hans Weber: „Besten Dank auch, Herr Kamikaze.“
Denn Weber ist im Chiemgau mit außergewöhnlich vielen Stürzen auffällig geworden.
Doch der Bayer verwahrt sich dagegen, Koivula berührt und so die Kegelkugel geworfen zu haben, bezeichnet das als „Schmarrn. Ich war ja da schon ganz hinten.“



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