Nur nicht kirre machen lassen
Levi Fittkau schreibt in seinem neuen Blog, wie man als junger Fahrer mit dem turbulenten Abend von Dohren umgeht.
Am Wochenende erlebten wir die Licht- und Schattenseiten des Motorsports – auf ein und derselben Bahn. Freitags stand in Dohren die Liga Nord auf dem Programm, sonnabends ein Lauf zur Norddeutschen Bahnmeisterschaft NBM.
Die Bahn im Emsland ist einzigartig – die einzige Bahn, die ich kenne, auf der es keine einzige Gerade gibt. Nach einem Start von außerhalb, quasi wie von einem blinddarmartigen Anhängsel an den eigentlichen Kreisverkehr, fährt man die ganze Zeit im Kreis – und hält das Motorrad über den Gasgriff permanent im Griff.
An diesen einzigartigen Charakter und diese außergewöhnliche Fahrweise muss man sich zunächst gewöhnen. Ich habe zwar schon einige Mal in Dohren trainiert – aber trotzdem kann einen diese Bahn immer wieder überraschend. Vor allem wegen des Wetters.
Der Regen im Vorfeld hat die Bahn dieses Mal ziemlich anspruchsvoll gemacht. Bis kurz vor dem Start stand sogar noch eine ziemliche Pfütze auf der Piste. Jörg Tebbe, der an diesem Tag als Rennleiter fungierte, hat zu Fuß ein paar Besichtigungsrunden gedreht – und dann eine Stunde Warte- und Abtrocknezeit angeordnet, die Bahn danach für renntauglich befunden.

Das war sie auch. Selbst wenn sie etwas anspruchsvoller war aufgrund des ganzen Regens. Ich konnte trotzdessen fünf Punkte in drei Läufen für das Dohrener Team einfahren. Das Rennen wurde abgebrochen und nach dem zweiten Lauf gewertet, da der Rennarzt wieder zum Dienst musste.
Deswegen tauchen in der endgültigen Statistik nicht alle Zähler auf: Meine letzten holte ich in Lauf 9, doch abgebrochen und eine Wertung erstellt wurde letztlich nach dem achten Heat.
Am Freitag gab es zwei ziemlich happige Stürze. Patricia Erhart ist nach einer Rille auf ihrer Maschine hängengeblieben und in einen mehrfachen Überschlag mitgewirbelt worden. Dominic Hamminga hat eine Rille erwischt, woraufhin er abstieg, sein Motorrad aber mit reichlich Fahrt über die Bande und gegen ein Gerüst mit Fotografen flog. Dass sich dabei ein Fotograf verletzt hat, haben wir natürlich alle mitbekommen. Es zeigt wieder, dass Motorsport gefährlich ist – auch für Leute, die nicht selbst fahren.
Solche Unfälle machen einen natürlich für einen Moment lang nachdenklich. Doch man blendet sie als Fahrer recht schnell wieder aus, konzentriert sich auf sich selbst und das, was in seinem eigenen Einflussbereich ist. Und das hieß in dem Fall: nach dem Abbruch volle Fokus auf die NBM am Samstag.
Das Feld für die NBM war sehr stark besetzt, unter anderem mit Levi Böhme, Bruno Preibisch, Finn Elias Kruse und Fiete Marquart. Einige von denen bringen schon deutlich mehr Erfahrung auf 500-Kubikmaschinen mit als ich.
Am Samstag sah die Bahn schon ganz anders aus – genau so wie in den Trainings, die ich in Dohren gefahren bin. Ich habe mich von Anfang an richtig wohl auf dem Motorrad gefühlt und konnte den ersten Lauf gewinnen, gegen Levi Böhme und Jordan Holstein. In den anderen drei Läufe verpasste ich nur knapp den Sieg: Immer versuchte ich von außen zu überholen, und es hat immer nur ein bisschen gefehlt – besonders im letzten Lauf gab nur eine Winzigkeit den Ausschlag. Ich habe es gegen Bruno Preibisch immer wieder außen rum versucht, aber er hat mich so gerade eben abwehren können.
Eigentlich bin ich ein recht guter Starter, doch an diesen beiden Tagen in Dohren haben ausgerechnet die Starts nicht so gut hingehauen. Deswegen war ich darauf angewiesen, es auf der Außenbahn zu versuchen. Also lautet eine der Schlussfolgerungen von Dohren: Ich muss konsequent daran arbeiten, die Starts noch mehr zu perfektionieren.
Das Finale verpasste ich knapp, da ich mit zwei anderen Fahren Punktgleichheit hatte; am Ende entschied der direkte Vergleich, deswegen musste ich mich mit dem fünften Platz zufriedengeben. Das hat mich natürlich im ersten Moment ziemlich geärgert, denn wenn nur eines der Manöver auf der Außenbahn funktioniert hätte, dann wäre ich auch in den Endlauf eingezogen. So fühlte ich mich zunächst ein bisschen unter Wert geschlagen.
Doch nach ein paar Tagen des Nachdenkens und Reflektierens muss ich sagen: Ich fand, es war trotzdem ein gelungenes Rennwochenende – mit einigen guten Resultaten und vor allem der Erkenntnis, dass ich im Laufe des Jahres spürbar dichter an die anderen Jungs mit mehr Erfahrung auf der 500er rangekommen bin. Ich habe mir jeden Punkt hart erkämpft und mir dadurch spannende Läufe mit der starken Konkurrenz geliefert.
Das macht Bock auf die nächsten Rennen – vor allem würde ich natürlich gern beim Finale der Zweiten Bundesliga am 25. September in Landshut mitmischen, wo wir mit dem MSC Cloppenburg noch um Rang 2 in der Endabrechnung kämpfen werden.



Kommentare