Paar-Therapie in Wittstock
Am Freitagabend findet in Wittstock das wohl am schönsten anzusehende deutsche Rennen statt: der Paar-Cup. Celina Liebmann schildert in ihrem Blog, was Paarfahren so attraktiv macht.
Paarfahren ist vielleicht die eleganteste Form des Motorsports überhaupt: Wenn man das gut kann, dann sieht es auf der Bahn sehr schön aus.
Aber Paarfahren kann man längst nicht mit jedem. Ich bin früher sehr gerne mit Tim Wunderer gefahren. Wir haben uns auf der Bahn blind verstanden. Jeder wusste vom jeweils Anderen, wie dessen Moves und Linienwechsel sein würden – und wo wir uns dann selbst einordnen mussten.
Mit Lars Skupień ist jetzt sehr ähnlich. Lars’ Fahrstil mag ich sehr gern. Ich habe das Gefühl, dass er sehr sicher fährt. Bei anderen Fahrern habe ich längst nicht immer diesen Eindruck. Aber Lars ist sehr ruhig – nicht nur auf der Bahn. Er agiert auch in der Box sehr ruhig.
Dort ist eine gewisse Art der Zusammenarbeit beim Paarfahren auch unerlässlich. Gar nicht so sehr wegen der Abstimmung der Maschinen. Denn das Setup muss in erster Linie zum Fahrer passen. Lars ist größer und wiegt mehr als ich, also wird sich das Setup von unseren beiden Motorrädern auch unterscheiden. Wir tauschen uns im Training aus, wie wir die Bahn empfunden haben und wie die Motorräder generell abgestimmt werden sollten. Aber bei Feinheiten wird es immer Unterschiede geben.
Wirklich gutes Paarfahren funktioniert, ohne dass man spricht. – Celina Liebmann
Wichtiger ist in der Box ein grundsätzliches Verständnis ohne viel Worte. Natürlich schaut man sich an, gegen wen man in den einzelnen Läufen fährt – und überlegt dann, ob es Sinn ergibt, vielleicht die Startplätze untereinander zu tauschen. Auch für die erste Kurve kann man sich einen Plan zurechtlegen. Ob der dann aufgeht oder nicht, entscheidet sich auf den ersten Metern. Und dann beginnt die wahre Kunst des Paarfahrens: Es funktioniert, ohne dass man spricht. Wenn einer einen Fehler gemacht hat, dann wird noch Mal gekreuzt. Oder sieht sofort, dass der Eine nach innen und der Andere außen fahren muss. Oder man reagiert auf das, was der Gegner macht, indem man dessen Paar sprengt und den zweiten Fahrer der anderen Mannschaft in der Kurve geschickt einbremst.
Paarfahren macht mir unglaublich Spaß. Aber es muss harmonieren. Besonders gut gefällt mir diese Art der Punktewertung wie beim „Speedway der Nationen“, also der Paar-WM: dass nicht das Team gewinnt, das nur einen guten Fahrer hat. Die Punktevergabe belohnt wirklich einen gemeinschaftlichen Auftritt als Paar; es langt nicht, dass ein Fahrer immer vorneweg bläst, wenn der zweite nicht hinterherkommt. Ein geschlossener, homogener Auftritt wird mehr belohnt; das ist der wahre Geist des Paarfahrens.

Dass Lars und ich den Paarcup fahren, war von Anfang an klar. Wir wollten letztes Jahr in Pocking schon mitfahren. Da war aber alles schon voll, als wir uns anmelden wollten. Deswegen war es klar, dass wir dieses Jahr auf jeden Fall mitmischen wollten – und wir haben uns darum auch extra früh angemeldet.
Zwischen uns beiden hat sich in den letzten zwei Jahren eine echte Freundschaft herausgebildet. Wir telefonieren ungefähr jede Woche; wir waren auch schon zusammen in Urlaub: Anfang dieser Saison im Mai, auf Fuerteventura.
Wirklich kennen tue ich ihn seit einem Zweiventilercuprennen in Rybnik. Da ist Lars noch mit polnischer Lizenz in Polen gefahren. Damals hat er mich gefragt, ob ich ihm ein paar Rennen in Deutschland organisieren könne. Letztes Jahr habe ich ihn für Teterow gefragt, ob er meine Verletzungsvertretung sein könne – und seitdem sind wir richtig befreundet.
Wir haben beide Erfahrung in Ligen, in denen Paarfahren gefragt ist: er früher in Polen und nun seit seiner Neuverpflichtung beim AC Landshut, ich früher aus Workington und dieses Jahr in der Allsvenskan. Es hilft, wenn man das öfter macht, um die generellen Abläufe aus dem Effeff zu beherrschen. Aber: Ich bin in Schweden dieses Jahr gar kein Paar gefahren, er in Landshut auch nicht. In Landshut ist es wegen der engen Kurveneingänge schwierig, sich echt klassisch im Paar zusammenzufinden, in Schweden hatte ich dafür kaum Mal geeignete Partner. Auf allen Bahnen, auf denen wir fuhren, war echtes Paarfahren auch nicht unbedingt nötig.
Das wird am Freitagabend anders: Wittstock ist breit, da ist klassisches Paarfahren auf jeden Fall wichtig. Es wird nur ein paar Runden im Training dauern, dann haben wir beide uns darauf – und aufeinander – eingeschossen und wissen, wie wir an dem Abend zusammenarbeiten können. Und dann wird dieser Abend sicher eines der Highlights im ganzen deutschen Speedwaykalender.



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