Reifen-Prüfung
- Norbert Ockenga
- vor 6 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Was es mit den neuen Mefo-Reifen von Jasper Iwema in der Eisspeedway-WM wirklich auf sich hat.
Max Koivula muss ein bisschen schmunzeln. Denn seine Motorräder werden nachts, wenn die Arbeit getan ist, jeweils mit Schutzdecken verhüllt, auf denen groß ein prominenter Name steht: „Ola Westlund“.
Der Schwede ist ein Mitglied jener Nationalmannschaft aus dem Norden, die es in den späten Achtzigern und Neunzigern mit den damals übermächtigen Sowjets aufnehmen konnte. Sein Vater Kurt war Teammanager, Per-Olov Serenius und Stefan Svensson weiland seine schnelleren Teamkollegen.
Als Koivula vom Langbahn- in den Eisspeedwaysport umgestiegen ist, hat er auf Facebook den Auftritt von Andreas Westlund ausfindig gemacht – dem Sohn von Ola. Andreas Westlund ist in der zweiten schwedischen Speedwayliga gefahren, hat irgendwann die Schlafmützen für die Maschinen in den Sozialen Netzwerken angeboten – und Koivula hat sie sich gesichert.
Deswegen ist ein Teil von Ola Westlund immer noch in der Eisspeedway-WM vertreten.
In Inzell war sogar der ganze Ola Westlund vor Ort, bei einer Stippvisite unter anderem mit Andreas Jonsson. Aber das ist eine andere Geschichte. „Ola“, grinst Koivula jetzt, „hat mir auch meinen allerersten P5B verkauft. Das ist bestimmt schon 20 Jahre her.“
Der Barum P5B ist jenes Hinterreifenmodell, das man im Eisspeedway fahren muss. Doch Barum hat an der Produktion der Eisspeedwayreifen die Lust verloren, denn die Chefs haben übersehen, dass gerade jede Menge neuer Fahrer aus Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Schweden in die Szene drängen und sich so der Markt nach einer kurzen Dürre, provoziert durch die Russen-Boykotte, wieder erheblich erholt und perspektivisch sogar ausweitet. Die Barum-Oberen sind in der Hausse hängengeblieben, obwohl die Anzeichen so sehr auf Bärenmarkt stehen wie schon seit mehr als einer Dekade nicht mehr.
Ola Westlund hat mir meinen ersten P5B verkauft. – Max Koivula
Die Lücke wird von einer innovativen und dem Motorradsport von ganzem Herzen verbundenen Marke gefüllt: Mefo.
Die Marke aus Röthlein in Franken hat jene Formen übernommen, die bislang bei Barum für die Fertigung von Eisspeedwayreifen verwendet wurden. Die Barum-Reifen gelten im Vergleich zu den auch verfügbaren und in der WM verwendeten Mitas als erste Wahl fürs Eis. Denn sie bestehen noch aus Naturkautschuk als Rohstoff, nicht aus synthetischem Gummi.
Doch die Russen haben sich einen Riesenvorrat von Barum P5B-Reifen zugelegt, mit dem sie bis zum boykotthaften Neubau des Eisernen Vorhangs weiter östlich schwunghaften Handel trieben, aber auch für sich selbst einsetzten. Seit der Sanktionsisolation werden sie nur noch in der boomenden Russischen Liga und bei Einzelrennen im Osten verwendet.
Joachim Liebl, der Chef von Mefo, hat die Marktentwicklung richtig antizipiert, in denen bislang Barum die Reifen gebacken hat. Mefo ist mit Vorderreifen ohnehin schon lange im Eisspeedway vertreten, als dritte Marke – Liebl möchte nun auch seine neuen Hinterreifen in der WM und den nationalen Szenen verkaufen.

Deswegen war er im vergangenen Jah schon beim WM-Finale in Heerenveen. In Jasper Iwema setzt nun der erste Topfahrer aus der allerersten Garnitur der Eisspeedway-WM auf Mefo-Hinterreifen. Auch Max Koivula hat schon eine Partnerschaft mit Mefo vereinbart, Liebl war in Heerenveen in intensiven Gesprächen mit dem 28-jährigen Finnen, der die Vorderreifen aus Süddeutschland fährt.
Iwema ist der erste Fahrer, der schon seit Jahresbeginn mit dem neuen Mefo arbeitet. Und er kann das Potenzial der fränkischen Neukonstruktion einschätzen:
Vor allem aber werden seine Eindrücke dafür sorgen, dass sich auch das Kräfteverhältnis in der Eisspeedway-WM bald verschieben wird. Denn Iwema kann sich aktiv in die Entwicklung der neuen Pneus einbringen, im direkten Austausch mit Mefo-Technikern.
Und deren Kompetenz ist nicht zu unterschätzen. Mefo ist nicht nur im Motocross- und dort dem -Seitenwagensport eine Macht, sondern hat auch jenes Mousse entwickelt, das man als Hartschaumstoffschlauch in die Motorradreifen bei der Rallye Dakar einlegt, um Plattfüße zu vermeiden. Das Mousse gilt als Erste Wahl für all’ jene Fahrer, die nicht in ein Werksteam mit komplett eigenentwickelten Pneus von werksseitigen Reifenpartnern eingewoben sind.



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