Schwarz-Weiß-Bilder
- Norbert Ockenga
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit
Warum der Sieg von Niclas Svensson in mehrfacher Hinsicht ein echter Kraftakt war.
Niclas Svensson schaut hintergründig. „Manchmal frage ich mich“, gesteht der Schwede, „ob ich mir das nicht alles nur einbilde.“ Denn hin und wieder hätte er das Gefühl, einer seiner beiden Rahmen sei am Kurveneingang starrer, der andere hätte mehr Flex – und schon im nächsten Heat sei genau dieses Gefühl wieder verschwunden. „Da ist unheimlich viel Kopfsache dabei – und vielleicht auch ein bisschen Einbildung, je nachdem, in welcher Verfassung man gerade ist.“
Svensson fühlt und wühlt sich gleichermaßen durch die beiden Großen Preise im Chiemgau. Er ist der einzige Fahrer, der zwei unterschiedliche Chassismarken verwendet: sowohl ein frühes Tibo-Chassis, das bereits aufgebaut wurde, als dessen Erfinder Tjitte Bootsma noch am Leben war, als auch eines vom Tschechen Antontín Klatovsky.
Bei Familie Svensson nennt man die beiden Motorräder nur „das Weiße“ und „das Schwarze“, weil die Rahmen entsprechend lackiert sind. Sehen tut man das nur mit Kennerblick: Wer genau hinschaut, sieht am Metall oben vorm Tank die unterschiedlichen Farbgebungen, alle anderen Stangen, Streben und Rohre verstecken sich unter Verkleidungen.
Mal sehen, ob ich das gebändigt kriege. – Niclas Svensson
Am Sonntagmorgen muss bei Svensson bereits zum zweiten Mal während des Inzell-Wochenendes ein Motor gewechselt werden. Dieses Mal wandert jenes Aggregat, mit dem die weiße Ersatzmaschine bestückt gewesen war, in den schwarzen Klabo-Rahmen. Es ist jener Ersatzmotor mit einer schärferen Nockenwelle, der erst am Samstag eingebaut worden war. Und der eigentliche Stammmotor ging aus dem schwarzen Klabo- in den weißen Tibo-Rahmen.
Svensson bestritt – und gewann – den Grand Prix dann ausschließlich mit dem Schwarzen. Auf dem sei er auch in der Vergangenheit stets als erste Wahl gefahren, beteuert er. „Wir wollten am Sonnabend bloß schauen, ob die andere Kombination etwas bringt. Aber ich fühle mich auf dem Schwarzen einfach wohler.“

Nur die ungewohnte Zutat des aggressiveren Motors treibt ihm vor dem Rennen etwas die Sorgenfalten auf die Stirn. „Mal sehen“, lächelt er, „ob ich das gebändigt kriege und festhalten kann.“
Nach der Vorstellung von Svensson am Sonntag, die in einem Sieg vor Luca Bauer mündete, mag man nach einem Blick auf die Statistik denken: kann ja wohl kein Problem gewesen sein.
Doch schon auf den ersten Blick entstand der Eindruck, dass Svensson auf der Eisschnelllaufbahn extrem zu kämpfen hatte. Das Motorrad sprang auf dem Eis, zeitweise waren beide Räder in der Luft, dann krachte die ganze Fuhre wieder auf den Boden.
Am Abend, beim Einräumen seines Sprinters für die ewig lange Rückreise via Fährhafen Rostock nach Örnsköldsvik, bestätigt Vater Stefan: „Dieser Sieg war für Niclas körperlich extrem anstrengend. Er musste unheimlich viel leisten und auf dem Motorrad richtig hart arbeiten.“
Denn wir schon am Vortag bei der Weißen, sei es dem Team auch bei der Schwarzen nicht gelungen, die Dämpferkennlinien an die anspruchsvoller werdenden Eisbedingungen anzupassen. „Wir konnten die Zugstufe nicht so weit anpassen wie wir wollten“, gesteht Vater und Obertechniker Stefan Svensson. „Aber das lag dieses Mal nicht an den Verstellmöglichkeiten des Dämpfers an sich. Wir müssen den Dämpfer zuhause auseinandernehmen, vielleicht stimmt innendrin irgendwas mit den Dichtungen nicht.“



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