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Strittiges Urteil entscheidet Inzell

Nach einem dramatischen Sturz im Finale gibt es Diskussionen über die Entscheidung der Schiedsrichterin.


Die Fußraste ist fast schon wieder dran, als Hiob in Person von Renndirektor Phil Morris die emsige Betriebsamkeit stört: „Du bist disqualifiziert.“


Schiere Fassungslosigkeit spiegelt sich in den Gesichtern von Max Koivula und allen Helfern, die versucht haben, sein Nummer 1-Motorrad für den Restart vom Finale beim Sonntagsrennen in Inzell rechtzeitig wieder zu reparieren. Der Fahrer fasst sich am schnellsten: „Aber warum? Ich bin doch nur auf meiner Linie geblieben – und konnte nichts machen.“


Morris reicht dem Finnen ein Funkgerät: „Ich bin nicht der Schiedsrichter. Aber Du kannst gern mit dem Referee reden.“ Das tut der 28-Jährige in ruhigem, besonnenen Ton, ohne die derben Flüche, die man beim Sommerspeedway in solchen Fällen hört. Doch Schiedsrichterin Christina Turnbull bescheidet ihm: Laut den Regeln stehe der Hintermann in der Pflicht, einen Unfall zu vermeiden. Deswegen werde er als Abbruchverursacher disqualifiziert.


Man hätte alle vier Fahrer zum Neustart wieder zulassen sollen. – Max Koivula

Der Unfall, um den sich die Debatten entspinnen, ereignet sich, als das Finale bereits im vollen Flug ist. Martin Haarahiltunen, wie schon am Vortag ungeschlagen durch die Vorläufe gepflügt, führt vor Koivula. Aber nur denkbar knapp. Auf der Gegengeraden, kurz nach dem Aufrichten der Maschinen am Kurvenausgang, wird Haarahiltunens Motorrad auf einer Eisscholle unruhig und fängt an zu schwänzeln. Dabei taumelt es genau in die Spur von Koivula. Der rammt den Schweden von innen an dessen hinterem Kotflügel, schickt ihn in die Steinwolleballen, von wo aus Haarahiltunen im hohen Bogen wieder auf die Bahn geworfen wird. Auch Koivula scheppert in die Streckenbegrenzung.


Beide Fahrer sind verletzt: Haarahiltunen hält sich das linke Knie, Koivula kann vor Schmerzen kaum den Rücken gerademachen.


Erst als Haarahiltunen bei der ärztlichen Untersuchung und Koivula im Fahrerlager ist, fällt Turnbull ihre Entscheidung: Disqualifikation von Koivula. „Ich war so dicht hinter ihm, und alles ist so schnell passiert“, protestiert der Finne am Abend, „dass ich schlicht keine Zeit zum Ausweichen mehr hatte. Und ich habe meine Linie nicht verlassen. Deswegen hätte man das als normalen Rennunfall werten und alle vier Fahrer zum Neustart wieder zulassen sollen.“


Max Koivula diskutiert per Quetsche mit Schiedsrichterin Christian Turnbull, Rahmenbauer Fedde de Boer, Lukáš Hutla und Renndirektor Phil Morris (v.l.) hören zu. Foto: Heike Kleene
Max Koivula diskutiert per Quetsche mit Schiedsrichterin Christian Turnbull, Rahmenbauer Fedde de Boer, Lukáš Hutla und Renndirektor Phil Morris (v.l.) hören zu. Foto: Heike Kleene

Haarahiltunen bleibt lange bei den Ärzten, lässt sich dann in einen Stuhl im Fahrerlager fallen und bespaßt Elliot Svensson – den kleinen Sohn seines Freundes und Rivalen Niclas. „Das war in der Tat ein Rennunfall. Mein Motorrad ist hinten ausgebrochen, ein klein bisschen; ich bin Max nicht böse, so etwas kann passieren.“


Dann hält er sich das linke Knie. Am Wiederholungslauf hat auch er nicht teilnehmen können: „Ich kann das Knie gerade überhaupt nicht belasten. Im Rettungswagen hat man mir gesagt, das Kreuzband sei nicht gerissen. Was genau die Diagnose ist, weiß ich auch noch nicht.“


Der Ausschluss von Koivula bleibt umstritten. Denn die Schiedsrichter haben generell im Bahnsport die Möglichkeit, über den ganzen Rennverlauf hinweg nach Unfällen alle vier Fahrer per salomonischer Entscheidung wieder ans Band zu lassen – nicht nur nach Startkurvenstürzen, wie man oft hört.


Durch die Disqualifikation wird Haarahiltunen als Dritter und Koivula als Vierter gewertet. Im Finale treffen nur noch Niclas Svensson und Luca Bauer aufeinander. Svensson landet einen Start/Ziel-Sieg, obwohl Bauer immer wieder zu beherzten Attacken ansetzt und der Schwede sichtlich mit einem störrischen Motorrad zu kämpfen hat.


Der Inzell-Sieg bringt Svensson bis auf zwei Punkte an Tabellenführer Haarahiltunen heran, Koivula folgt als Tabellendritter mit vier Punkten Rückstand, Bauer liegt zwei weitere Zähler zurück. Dann klafft eine Lück zu Max Niedermaier, der am Sonntag im Hoffnungslauf gegen Koivula und Bauer ausgeschieden ist und dessen Konto 13 Punkte weniger aufweist als jenes von Haarahiltunen.

 
 
 

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