Wasserstandsmeldung aus Polen
- Norbert Ockenga
- vor 3 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Erste Erkenntnisse und bittere Verletzungsnachrichten nach dem ersten Rennwochenende in Polen.
Noch ist es nur die Vorsaison. Noch zählt kein Punkt für die Tabelle. Und doch hat das Speedwaywochenende vom 20. bis 22. März bereits deutliche Spuren hinterlassen – sportlich wie personell. Wichtig für die Einordnung: Die Ekstraliga startet erst am 10. und 12. April, offizielle Ligarennen gab es also noch nicht. Doch die Sparrings hatten die durchaus Aussagekraft und weitreichende Folgen.
Vor allem Grünberg hat dabei ein Ausrufezeichen gesetzt.
Zweimal innerhalb von 24 Stunden traf Falubaz auf den amtierenden polnischen Meister Thorn – und gewann beide Duelle mit identischem Ergebnis: 46:44.
Am Freitag in Grünberg war es ein klassischer Last-Heat-Showdown. Die Heimmannschaft sicherte sich den Sieg erst im 15. Lauf mit einem 4:2. Die Gastgeber überzeugten vor allem durch eine breite Mannschaftsleistung:
Leon Madsen – 11 Punkte
Przemysław Pawlicki – 10
Dominik Kubera – 9
Andzejs Lebedevs – 7+3
Thorn hielt dagegen, vor allem durch:
Robert Lambert – 9+1
Mikkel Michelsen – 9
Patryk Dudek – 7
Doch der sportliche Aspekt geriet teilweise in den Hintergrund – wegen eines folgenschweren Unfalls.

Im Verlauf des Meetings kam es zu einem schweren Sturz von Antoni Kawczyński. Dabei verlor der junge Thorn-Fahrer im Kurveneingang die Kontrolle über sein Motorrad, geriet in Schieflage und wurde mit hoher Geschwindigkeit in die Airfence geschleudert. Es handelte sich also um einen Eigensturz, bei dem die Energie ungebremst in die Bande ging.
Kawczyński blieb zunächst auf der Bahn liegen, wurde medizinisch erstversorgt und anschließend ins Krankenhaus transportiert. Dort bestätigte sich die Schwere des Unfalls:
komplizierter Bruch im Bereich der unteren Beinextremität:
operative Versorgung notwendig
mehrere Wochen Pause
Für Thorn ist das ein empfindlicher Rückschlag – gerade weil Kawczyński in der Rotation für die U24-/Juniorenposition eingeplant ist.
Durch den Ausfall Kawczyńskis rückte auch der Blick stärker auf Norick Blödorn, der in diesen Tests seine ersten Einsätze für Thorn absolvierte.
Der Deutsche kam in Grünberg zu mehreren Starts auf der U24-Planstelle, blieb dabei aber ohne zählbaren Punktgewinn. Seine Läufe waren geprägt von schwierigen Startphasen und Problemen, sich auf der technisch anspruchsvollen Bahn in Grünberg zu positionieren. In den Heat-Beschreibungen der polnischen Liveticker wird mehrfach erwähnt, dass Blödorn früh den Anschluss verlor und die Läufe im Hinterfeld beendete.
Wichtig ist aber die Einordnung: Blödorn bekam bewusst Einsatzzeit unter Wettkampfbedingungen, um sich an das Material und das Niveau der Ekstraliga anzunähern. Seine Rolle war klar die eines Entwicklungsfahrers – nicht die eines sofortigen Punktelieferanten.
Nur einen Tag später, am Samstag in der MotoArena, folgte das Rückspiel – mit erstaunlich ähnlichem Ausgang. Wieder 46:44 für Falubaz, diesmal nach einem anderen Rennverlauf: Thorn führte nach vier Läufen 13:11, ehe ein 5:1 von Falubaz im fünften Heat das Momentum drehte. Zwar lag Thorn zwischenzeitlich wieder vorn, doch in den nominierten Läufen schlugen die Gäste entscheidend zurück.
Auffällig: Grünberg gewann erneut als Team. Die Punkteverteilung unterstreicht das:
Dominik Kubera – 8 (in nur drei Starts!)
Leon Madsen – 8
Andrzej Lebiediew – 7+1
Przemysław Pawlicki – 6+2
Damian Ratajczak – 6+1
Oskar Hurysz – 6+2
Toruń hatte individuell starke Zahlen:
Robert Lambert – 11
Patryk Dudek – 9+1
Mikkel Michelsen – 7
Emil Sajfutdinow – 7
Doch im Gesamtgefüge wirkte Falubaz geschlossener – und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis des Wochenendes.
Unia Lissa zeigte zwei Gesichter.
Am Samstag gelang ein souveräner 55:35-Heimsieg gegen Posen. Nach ausgeglichenem Beginn zog Lissa deutlich davon. Besonders stark:
Ben Cook – 11 Punkte
Janusz Kołodziej – 9 (in drei Starts ungeschlagen)
Keynan Rew – 10+1
Dazu eine breite Unterstützung:
Piotr Pawlicki – 6+2
Grzegorz Zengota – 6+1
Nazar Parnitskyi – 7
Kacper Mania – 6
Das war ein Auftritt nahe an der Stammformation – entsprechend positiv fiel die Bewertung aus.
Ganz anders der Sonntag: In Lodsch unterlag Leszno bei Orzeł mit 43:47. Allerdings muss man die Umstände berücksichtigen: Kołodziej und Cook fehlten, die Aufstellung war deutlich verändert.
Die besten Lissa-Fahrer:
Nazar Parnitskyi – 11+1
Grzegorz Zengota – 10
Piotr Pawlicki – 8
Keynan Rew – 7
Auffällig: Lissa kam vor allem in der zweiten Rennhälfte auf – mit starken Läufen 12, 14 und 15. Dennoch reichte es nicht mehr zum Umschwung.
Lodsch überzeugte mit einer geschlossenen Leistung:
Villads Nagel – 9+1
Marcin Nowak – 8
Szymon Szlauderbach – 7+1
Oliver Berntzon – 7+2
Die Erkenntnis: Lissa hat Potenzial, aber die Kaderbreite wird noch getestet – mit entsprechenden Schwankungen.
Für Włókniarz Tschenstochau war es ein Wochenende zum Vergessen.
Am Freitag setzte es eine deutliche 36:54-Niederlage bei Krosno – einem Zweitligisten. Besonders bitter: Die Niederlage war nicht knapp, sondern klar strukturell.
Krosno dominierte mit:
Robert Chmiel – 11+1
Jason Doyle – 9
Luke Becker – 8+1
Marcus Birkemose – 8+1
Bei Tschenstochau hielten nur wenige dagegen:
Mads Hansen – 9+2
Jaimon Lidsey – 9
Jakub Miśkowiak – nur 3 Punkte
Am Sonntag gab es zumindest sportlich einen kleinen Lichtblick: Beim 52. Memoriał Idzikowskiego i Czernego in Tschenstochau fuhr Jakub Miśkowiak auf Platz zwei (14+2), knapp hinter Sieger Bartosz Zmarzlik (14+3) und vor Rohan Tungate (14+1).
Weitere Platzierungen:
Krzysztof Buczkowski – 12
Jason Doyle – 11
Daniel Bewley – 9
Kacper Woryna – 8
Doch der sportliche Wert dieses Turniers wurde überschattet: Sebastian Szostak stürzte schwer. Die Diagnose – ein Bruch im Bereich der Brustwirbelsäule Th4 sowie ein zusätzlicher Befund bei C6 – bedeutet mehrere Wochen Pause.
Für Tschenstochau ist das nicht nur ein sportlicher, sondern auch struktureller Rückschlag kurz vor Saisonbeginn.
Abseits der Teamduelle setzte vor allem einer ein klares Signal: Bartosz Zmarzlik.
Mit 14 Punkten plus Sieg im Finale gewann er das Traditionsmemorial in Tschenstochau – gegen ein stark besetztes Feld. Es war ein Auftritt, der keine Fragen offenließ: Der Weltmeister ist bereit für die Saison.
Natürlich bleiben Sparrings das, was sie sind: Tests. Setups werden ausprobiert, Fahrer rotieren, Ergebnisse sind nicht alles. Und trotzdem lassen sich klare Linien erkennen:
Grünberg wirkt erstaunlich früh in Form – zwei Siege gegen den Meister sprechen für sich
Thorn hat individuelle Klasse, aber noch keine perfekte Balance – plus Verletzungssorgen und Integrationsarbeit im Nachwuchsbereich, vor allem bei Blödorn
Lissa zeigt Qualität, aber auch Schwankungen je nach Aufstellung
Tschenstochau hat sowohl sportlich als auch personell die größten Fragezeichen
Zmarzlik bleibt der Maßstab



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