Wunderknabe im Stress
Warum Beau Bailey eine hektische Night of the Fights verlebte.
Der Einfachheit halber wird gleich die ganze Vergasereinheit ausgebaut. Steven Bailey, der Großvater von Wunderknabe Beau Bailey aus Australien, hat während der Night of the Fights alle Hände voll zu tun.
Denn der so hoch gehandelte Geheimfavorit aus der Nähe von Sydney, der im vergangenen Jahr nach der SGP2-WM noch mit seinem Opa in Dänemark in einem Container gehaust hat, um in Europa weiter Rennen fahren zu können, wird gleich im ersten Lauf von Martin Smolinski abgeschossen – in Führung liegend.
Danach muss Bailey auf seine Ersatzmaschine umsteigen. Aber deren Motor ist für die besonderen Bahnbedingungen in Cloppenburg nicht stark genug. Der 16-Jährige fährt zwei Läufe lang nur hinterher, ehe seine Mechaniker dann wieder die ursprüngliche Einsatzmaschine flottmachen.

Notgedrungen. Denn am Ersatzmotorrad ist der Gaszug gerissen. „Und einen Ersatz haben wir dafür nicht dabei“, gesteht Opa Steven. „Also haben wir gleich den ganzen Vergaser mit allem Drum und Dran getauscht.“
Dabei kriegt der coole Grauhaarige tatkräftige Hilfe: In Cloppenburg hilft nicht nur Dion Deddens, der Bruder von Sportleiter René Deddens, mit – sondern auch der Landshuter Chris Wahle. Der ist ehemaliger Mechaniker von René Deddens – und Lebensgefährte von Jenny Apfelbeck. Die ist ihrerseits auch in Cloppenburg in der Box von Bailey – und kündigt an, wieder fahren zu wollen, sobald ihre Kreuzband- und Meniskusverletzungen ausgeheilt und von genug neuer Muskulatur stabilisiert worden seien. Eine OP, eigentlich geplant, hätte nicht stattfinden können, weil ihre Schwangerschaft dazwischengekommen sei.
Für mich war der Abend eine wertvolle Erfahrung. – Beau Bailey
Die beiden Motoren, mit denen Bailey unterwegs ist stammen beide vom englischen Tuner Ashley Holloway. Sie kommen allerdings nicht mit der innovativen Zündfunkenabnahme oben an der Nockenwelle daher, wie sie etwa sein australischer Fast-Nachbar Brady Kurtz oder WM-Tabellenführer Robert Lambert fahren. „Wir haben das versucht“, erklärt Steven Bailey. „Aber wir sind von der digitalen Zündbox wieder zurückgegangen auf eine normale PVL-Zündung.“

Die beiden Motoren für Cloppenburg würden eine unterschiedliche Charakteristik aufweisen: „Der in der Nummer 1-Maschine ist stärker und kommt besser aus den Starts“, beschreibt Bailey sr. „Hoffentlich.“
Die Hoffnung trügt nicht. Beau Bailey legt ab dem vorletzten Durchgang der Vorläufe eine Aufholjagd hin, die ihn tatsächlich noch in ein Halbfinale bringt – wonach es noch beim hastigen Motorradwechsel und Vergasertausch nicht ausgesehen hatte.

Im Halbfinale ist dann Feierabend, weil Bailey dort mit einem der mittleren Startplätze vorlieb nehmen muss: dem weißen. „Für mich war der Abend eine wertvolle Erfahrung“, bilanziert der Jüngling. „Und das Resultat ist auch großartig. Wir hatten unsere liebe Not mit dem Setup, den ganzen Abend über. Aber ich bin sehr zufrieden mit unserem ganzen Team des Abends. Das hat wirklich alles gegeben, mir immer ein schnelles Motorrad hinzustellen.“
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